Auch Teddy’s haben Windpocken

In Deutschland gibt es immer mehr Klinken für Kuscheltiere. Kinderärzte sind begeistert.

Gigi hat Bauchweh. Er hat zu viel Schokolade gegessen. Gigi ist ein Hase, ein Stoff-Hase. Eine Ärztin hört sein Herz und seine Lunge ab, sie röntgt ihn – und Sven schaut zu. Sven ist fünf Jahre alt, er ist Gigis Puppen-Papa.

Das Teddybär-Krankenhaus in Hannover gibt es seit April 2002. Der Krankenstand war so hoch, dass es seitdem mehrmals pro Jahr geöffnet hat. „Wir wollen Kindern von vier bis sieben Jahren die Angst vor Ärzten, Krankenhäusern, medizinischen Maschinen nehmen“, sagt der Psychotherapeut Tillman Krüger. „Hier können sie sich indirekt selbst, nur stellvertreten durch ihre Kuscheltiere, von angehenden Ärzten behandeln lassen. So erleben sie das Krankenhaus oder den Besuch beim Kinderarzt zuerst von der zweiten Reihe aus.“

Die Idee dazu stammt aus Norwegen, wo 1999 erstmals eine Teddybär-Klinik eingerichtet wurde. Der Trick der Teddybär-Klinik besteht darin, dass Jungen und Mädchen selbst nicht als Patienten betroffen sind, aber trotzdem im Behandlungszimmer Platz nehmen.

„Die Kinder übernehmen für ihre Teddys oder Puppen die Rolle der betreuenden Person“, sagt Nervenheilkundler Krüger, „und gewinnen dadurch ein neues Verständnis von Untersuchung und Behandlung“.

Die Puppe als Ersatz-Ich des Kindes: Es ist der Bär, der krank ist und behandelt wird. Die Puppe ist es, die vermessen, zur Ader gelassen, geröntgt, operiert und geschient wird, und sie nimmt es alles gelassen hin. Geradezu vorbildlich, weswegen dann auch viele Eltern berichten, dass ihre Kinder nach dem Tag im Teddybär-Krankenhaus beim Aufenthalt in einer Klinik, aber auch schon beim nächsten Arztbesuch gelassener wirkten als zuvor.

Dass es die Mühe lohnt, Kindern die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern ein bisschen zu nehmen, zeigen aktuelle Zahlen. So leiden in Deutschland laut Deutscher Gesellschaft für Zwangserkrankungen etwa 2 Mio Menschen an Iatrophobie, der zwanghaften Angst for dem Arzt. (..)

Der Umgang mit dem Patienten-Teddy lehrt die Kinder zudem, wie es einem Arzt richtig begegnet. Denn das Plüschtier kann nur dann wieder kuriert aus dem Krankenhaus kommen, wenn der Puppen-Papa oder die Puppen-Mama ergiebigt Auskunft zu geben weiss. Das ist nicht nur eine Lehrstunde für Kinder. Am meisten profitieren die angehenden Mediziner vom Dialog. Sie begreifen, wie und wo Kinder am besten zu nehmen sind.

Die Welt, 15.05.10

Erst hab ich über den Artikel lachen müssen, jetzt finde ich das einfach eine tolle Idee; über allem steht das Wohl der Kinder und das find ich klasse.

Bildquelle

12 Antworten to “Auch Teddy’s haben Windpocken”

  1. Babsi Says:

    liebste andrea
    wooow das hör ich heut zum ersten mal und finde es echt spannend und eine schöne idee, die welt der kinder wieder ein stückchen besser zu verstehen und sich einzufühlen.
    trotzdem wünsch ich allen plüschis eine wunderschöne gesunde zeit bei ihren müttern und vätern.
    sie sind so wertvoll (und sogar ich hab noch einen teddy der ab und an in mein bett darf)🙂
    liebste kuschelgrüße von babsi

  2. sunny11178 Says:

    Ich finde das auch toll! Hab schon mal davon gehört und kann das ganze gut nachvollziehen. Im Kleinen haben wir das auch öfter gemacht, als ich zum Praktikum im Kinderkrankenhaus war. Nur mit dem Unterschied, dass die Kinder dort schon krank waren. Aber wir haben ihnen öfter an ihren Kuscheltieren gezeigt, was mit ihnen passiert. Oder den Tieren z.B. denselben Verband verpasst, den sie selbst hatten. Da war der eigene Schmerz gleich nicht mehr ganz so schlimm, weil es dem Teddy oder der Puppe ja auch schlecht ging und das Kind sich darum kümmern musste…
    Alles Liebe,
    Sunny

  3. Erika Says:

    Liebste Andrea,
    das ist eine schöne Sache. Danke, dass Du die mit uns teilst. Ich hatte Dir schon einmal von dem Teddybär meines Sohnes berichtet.
    Nach seinem Unfall bekam der Teddy auch immer eine Narkose (Zauberluft) und eine blaue OP – Mütze auf den Kopf, wenn mein Sohn in den OP-Saal musste, jede Woche zweimal über acht Wochen. Es war für mich auch etwas spielerischer dadurch….
    Liebe Grüße
    herzlichst Erika

  4. Elisabeth Says:

    Liebste Andrea,
    das stimmt – in Wien gibt es auch so eine Klinik bzw. sind junge Ärzte unterwegs, um Teddybären gesund zu machen🙂 Clowndoctors können das auch🙂 Eine ganz tolle Sache, finde ich! *freu*
    Allerliebste Sonnengrüße zu dir, Elisabeth

  5. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    dann will ich auch eine Bücher-Klinik…
    – Also ein bisschen ein Trick der Ärzte. Ein bisschen manipulativ. Hm.
    Mein Teddy war übrigens immer kerngesund. Ich stamme auch aus einer Generation, die richtig viel Angst vor Ärzten hatte:mrgreen:
    Liebe Grüße, Jörg

  6. andrea2007 Says:

    Liebste Babsi, ich fand die Idee auch so schön; Kindern Angst vor „sowas“ zu nehmen find ich grundsätzlich immer gut… Natürlich wünsche ich auch den Kindern immer eine gesunde Zeit und dass sie gar nicht zum Arzt gehen müssen…Ich hab meinen Kinder-Teddy auch immer noch, der hiess „das kleine Nachtgespräch“, weil er mir immer was schönes erzählt hat vorm Schlafengehen… Liebste Abendgrüsse Andrea

  7. andrea2007 Says:

    Liebe sunny, das ist ja schön, was Ihr da im Krankenhaus gemacht habt; und den Kindern hat es bestimmt super geholfen… Alles Liebe auch für Dich, Andrea

  8. andrea2007 Says:

    Liebste Erika, ja stimmt, Du hast davon geschrieben und das hatte mich auch sehr berührt. Es war bestimmt für Euch beide spielerischer dadurch…schön, dass das so funktioniert hat. Alles Liebe von Herzen, Andrea

  9. andrea2007 Says:

    Liebste Elisabeht, ja die Clowndoctors können Kindern bestimmt auch ganz viel Angst nehmen. Eine wirlklich tolle Sache, allerliebste Herzensgrüsse Andrea

  10. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, eine Bücher-Klinik? Ich finde die Ärtze nicht manipulativ, ich finde eher schön, dass sie die Teddybäre dadurch auch so ernst nehmen… Vielleicht hätte Dir das damals als Kind auch geholfen… ich erinnere mich an eine Horrorszene beim Zahnarzt, ein Zahn wackelte, meine Mutter sagte, den zieht er jetzt bestimmt und ich hab geheult ohne Ende und hab solange am Zahn rumgemacht, bis er von selber rausfiel…:-)Liebe Grüsse Andrea

  11. Mamü Says:

    Wie süß, liebe Andrea.
    Für mich kommt das aber eindeutig zu spät.😉 Meine Angst vor Ärzten und Krankenhäusern kann man mir mit einem Teddy nun leider nicht mehr nehmen. Aber dass Teddys und Puppen geduldige Patienten sind, das konnte ich als Kind auch schon feststellen, wenn ich mit meinem roten Arztköfferchen ankam, um sie zu behandeln.:mrgreen:

    Liebe Grüße,
    Martina

  12. andrea2007 Says:

    Liebe Martina, für mich kommt es auch zu spät, allerdings hab ich „nur“ vorm Zahnarzt Angst… und sonst bin ich zum Glück fast nie beim Arzt oder in Krankenhäusern… Viele Grüsse an Deine geduldigen Teddys und Puppen:-) und natürlich liebe Grüsse auch an Dich, Andrea

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