Schneeschmelze

Bräunliche Böden kommen zum Vorschein. Und schon bald sind sie grün. Wo der Schnee schmilzt, hat es Wasser. Grasland ist mit Krokussen übersät, über Nacht sozusagen. Wer Augen hat zu sehen, kann sich nur wundern, wie schnell Schnee- auch in Massen-vergeht.

Eigentlich vergeht der Schnee nicht. Verwandelt zu Wasser geht er unter die Oberfläche, dringt da ein und hilft die Fruchtbarkeit der Erde zu wecken. Dann spriesst’s und treibt’s dank dem, dass Schnee nicht Schnee geblieben ist. Und rinnt das Schmelzwasser bloss in den nächsten Schachtdeckel, so gibt es mindestens Musik! Die Schneeschmelze – ein Schauspiel, ein Hörspiel über dieses offene Geheimnis: Was sich aus der Starre löst, ist Leben.

Die Schneeschmelze müssten wir darum feiern- wie Geburtstage. Wir müssten bald einmal die letzten Schneeflecken aufsuchen und uns auf unsern Wiesen treffen. Dort müssten wir mit einem Glas Prosecco in der Hand anstossen. Viva- Lebe! Feiern müssten wir dort, Musik machen, tanzen, Gedichte vorlesen, auch Liebesgedichte natürlich (zum Beispiel das stets erfrischende Hohelied Salomos).

Wir würden merken, wie es ganz neu in uns atmet, und uns darüber unbändig freuen. Aufleben würden wir schon hier – und nicht erst im Süden des Mai.

Der Schnee, der vergeht und Wiesen tränkt, macht’s vor: Wer sich hingibt, ermöglicht Leben. Uns allen ein schönes Frühlingserwachen!

Urs Zangger, Pfarrer , im Evangelischen Gemeindeblatt Silvaplana

Danke lieber Urs, wunderschön poetisch geschrieben, ich bin sehr berührt…

Bildquelle

18 Antworten to “Schneeschmelze”

  1. Jürgen Says:

    Schöne Worte hat Euer Pfarrer da gefunden. Doch warum „müssten“? Tun wir es doch einfach! Feiern wir den Wonnemonat mit allem, was er uns auch in diesem Jahr wieder bieten wird. Geben wir uns ganz hin mit allem, was wir sind – und ermöglichen wir Leben! Tanzen wir in und mit dem Mai, lassen wir es uns gutgehen, machen wir Musik und lesen wir einander die schönsten Gedichte vor. Ich mache gleich mal den Anfang:

    Mailied

    Wie herrlich leuchtet
    Mir die Natur!
    Wie glänzt die Sonne!
    Wie lacht die Flur!

    Es dringen Blüten
    Aus jedem Zweig
    Und tausend Stimmen
    Aus dem Gesträuch

    Und Freud und Wonne
    Aus jeder Brust.
    O Erd, o Sonne!
    O Glück, o Lust!

    O Lieb, o Liebe!
    So golden schön,
    Wie Morgenwolken
    Auf jenen Höhn!

    Du segnest herrlich
    Das frische Feld,
    Im Blütendampfe
    Die volle Welt.

    O Mädchen, Mädchen,
    Wie lieb ich dich!
    Wie blickt dein Auge!
    Wie liebst du mich!

    So liebt die Lerche
    Gesang und Luft,
    Und Morgenblumen
    Den Himmelsduft,

    Wie ich dich liebe
    Mit warmem Blut,
    Die du mir Jugend
    Und Freud und Mut

    Zu neuen Liedern
    Und Tänzen gibst.
    Sei ewig glücklich,
    Wie du mich liebst!

    Der einundzwanzigjährige Goethe widmete dieses und weitere Gedichte während seines Jurastudiums im elsässischen Straßburg (1770/71) der achtzehnjährigen Pfarrerstochter Friederike Brion aus Sesenheim (Elsass), mit der ihn eine Liebelei verband.

    Alles Liebe,
    Jürgen

  2. Elisabeth Says:

    Wow, das ist wunderwunderschön, liebste Andrea!
    Ich dachte, es wären deine Worte – aber sie könnten es sein, nicht wahr? *lächel* Und genauso stelle ich mir die Schneeschmelze bei euch vor… Voll das Leben… mittendrin… verborgen… kommt es zutage…
    Allerliebste Maiengrüße zu dir, Elisabeth🙂

  3. Mamü Says:

    Das ist sehr schön beobachtet und geschrieben, liebe Andrea. Und ich dachte, du hättest das geschrieben.🙂

    Am Liebsten würde ich mir die Schneeschmelze jetzt selbst ansehen und anhören.🙂

    Was sich aus der Starre löst, ist Leben. Das gefällt mir besonders gut. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt.

    Liebe Grüße,
    Martina

  4. andrea2007 Says:

    Lieber Jürgen, danke für das schöne Frühlingsgedicht, das einen eigenen Beitrag verdient hätte:-) „Müssten“ denke ich, weil wir es nicht tun und „Müssen“ wollte er wohl netterweise nicht schreiben. Hier jammern immer alle über diesen Teil des Winters und umso schöner finde ich, wie er das hier in einen positiven Zusammenhang bringt. Liebe Grüsse Andrea

  5. andrea2007 Says:

    Liebste Elisabeth, danke dass Du das gedacht hast… ja es könnten meine Worte sein, er schreibt mir aus den Fingern:-)Ich hab das heute morgen beim Frühstück gelesen und ich fand, es passte zu diesem Sonntag:-) Allerliebste Maigrüsse zu Dir zurück, Andrea

  6. andrea2007 Says:

    Liebe Martina, auch Dir herzlichen Dank, dass Du das dachtest… Zur Schneeschmelze regnet es hier heute kräftig, das nimmt dann nochmal richtig schön den Schnee, das kann niemanden mehr stören, denn auch unser Hausberg (Corvatsch 3303m) schliesst heute seine Tore und die Skisaison ist definitiv beendet. Was sich aus der Starre löst, ist Leben… danke dass Du daran teilhast… Liebe Grüsse Andrea

  7. Emily Says:

    Sehr schön geschrieben liebe Andrea! Herzliche Grüße, Emily

  8. andrea2007 Says:

    Danke liebe Emily, Dir noch einen schönen Sonntag, liebe Grüsse Andrea

  9. Doris - Licht & Liebe Blog Says:

    Liebe Andrea,

    das ist wahrlich schön geschrieben, so danke ich nicht nur DIR, sondern auch eurem Pfarrer „URS“. Schön, dass du diese Zeilen eingestellt hast.

    Ich wünsche dir, Urs und allen Lesern ein fröhliches und glückliches Frühlingserwachen.

    Hier bei uns in Kerpen, ist der Frühling nicht erst erwacht, sondern schon in voller Pracht. VIVA !

    Es ist einfach nur herrlich und tut im Herzen und in der Seele gut.

    Ich wünsche dir einen guten Start in den Frühling, der gerade im Wonnemonat Mai, zum Höhepunkt aufläuft.

    Von Herzen
    Doris

    P.S. Ich habe den Mai in meinem Artikel schon begrüßt, denn er ist mein Lieblings-Monat.

  10. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    das hat der Kollege aber hübsch ausgelegt…
    Liebe Grüße aus dem schon länger blühenden Westerwald… Jörg

  11. andrea2007 Says:

    Liebe Doris, danke Dir für Deine lieben Worte und Frühlingswünsche. Hier hat es heute nacht wieder geschneit, alles ist weiss, es schneit halt jeden Monat mindestens einmal:-) Ich mag den Mai auch, wenn er farbig ist:-) Herzliche Grüsse zu Dir, Andrea

  12. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, ja an Dich hab ich natürlich auch gleich gedacht, als ich die „hübschen“ Worte vom Kollegen las:-)…Herzliche Grüsse Andrea

  13. Erika Says:

    Liebste Andrea,
    das ist wunderschön, danke Dir. Weißt Du, dass ich ein Nachrichtenvideo im Internet sah, als sie einen Beitrag über die Krokuswiesen brachten im Engadin , da dachte ich, das müsste doch Andrea mal zeigen, so wunderschön, und was seh ich, hier ist es ja…. Danke
    Liebe Grüße
    Erika

  14. Babsi Says:

    liebste andrea

    mir ist bei diesen worten so, als könnte ich es hören. dieses schöne schauspiel. und wieder so beachtlich, ie die natur sich selber erhält und alles seinen lebenskreis geht.
    gestern hab ich im tv einige schöne bilder aus dem engadin gesehn u.a eine wiese voll blühenden krokus…wäre da gern hineinmarschiert🙂
    danke für das weitergeben dieser schönen gedanken
    herzensgrüße von babsi

  15. andrea2007 Says:

    Liebste Erika, das ist ja lustig, dass Du das gesehen hast… würde natürlich auch interessieren:-) Gestern waren die armen Krokusse wieder von Schnee bedeckt, der Regen hat den Schnee jetzt wieder schmelzen lassen… bei uns ist noch richtig Aprilwetter… Herzliche Grüsse Andrea

  16. andrea2007 Says:

    Liebste Babsi, das ist ja lustig, Erika berichtet auch von Krokussen im Engadin, nur ich hab’s verpasst, wo kam das denn, etwa auf ORF?:-) Ja es ist ein schönes Schauspiel für all unsere Sinne und die Natur lässt sich nicht beirren, auch wenn wir uns noch so sehr Sonne wünschen…:-) Allerliebste Grüsse Andrea

  17. Babsi Says:

    nein auf rtl in irgendeinem nachrichtenmagazin lach..und im hintergrund die berge. das ist noch schöner als bei heidi grins
    muß echt hier mal urlaub machen….auch wenns teuer werden könnte
    ich träum nun einfach mal…
    liebste grüße von babsi

  18. andrea2007 Says:

    … und Du weisst ja, dass unsere Träume in Erfüllung gehen können, liebste Babsi:-)

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