Die lieben Mitmenschen

Das Urteil der Mitmenschen

Ein Mann hatte einen Sohn, der sich nicht aus dem Haus traute, weil er sich so hässlich fand.
„Was werden die anderen sagen, wenn sie mich sehen“, sagte er immer.
„Höre nicht auf die Leute“, riet ihm der Vater.
„Du wirst sehen, sie reden und reden, und es ist doch ohne Bedeutung.“

Am nächsten Tag gingen die beiden gemeinsam auf den Markt. Der Alte ritt, der Sohn lief nebenher.
Als sie auf dem Markt ankamen, schüttelten die Menschen über ihn den Kopf.
„Schaut euch nur die beiden an“, sagten sie.
„Da sitzt der Alte gemütlich auf dem Esel und der junge Mann muss laufen.“
„Hörst du?“, sagte der alte Mann zu seinem Sohn.
„Morgen kommen wir wieder.“

Am nächsten Tag gingen sie wieder zum Markt, dieses Mal aber saß der Sohn auf dem Esel und der Vater lief nebenher.
„Seht euch die beiden an!“, riefen die Leute.
„Dieses ungezogene Kind lässt sich tragen, und der alte Mann schleppt sich mühsam durch den Staub.“
„Hast du gehört?“, sagte der Vater.
„Morgen gehen wir wieder auf den Markt.“

Am nächsten Tag gingen Vater und Sohn zu Fuß, dabei führten sie den Esel am Strick.
„Schaut euch diese Dummköpfe an!“, lachten die Händler.
„Sie laufen zu Fuß. Wissen sie denn nicht, dass man einen Esel reitet?“
„Hast du auch das gehört?“, fragte der Vater.
„Morgen gehen wir wieder auf den Markt.“

Als die beiden auf den Marktplatz kamen, saßen sie beide auf dem Esel.
Die Händler schüttelten empört die Köpfe.
„Das arme Tier!“, riefen sie.
„Haben sie denn kein Herz?“

Als sie am fünften Tage auf dem Marktplatz erschienen, brachen die Menschen in schallendes Gelächter aus. Vater und Sohn trugen nämlich den Esel auf dem Rücken.
„Was sind das denn für Tölpel!“, lachten die Leute.
„Tragen den Esel, statt ihn zu reiten!“

Zu Hause setzte sich der Vater zu seinem Sohn.
„Hast du nun gehört, mein Sohn?“, fragte er.
„Egal, was du tust, die Menschen haben immer etwas daran auszusetzen.
Darum ist es wichtig, dass du so handelst, wie du es für richtig hältst und deinen Weg gehst.“

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29 Antworten to “Die lieben Mitmenschen”

  1. Elisabeth Says:

    Liebste Andrea,
    genau, nur darauf kommt es an, ganz gleich, was die anderen sagen. Das ist eine wunderschöne, sehr weise Geschichte, die mich gerade sehr nachdenklich macht… Und ich wünsche einem ganz bestimmten Menschen viel Kraft, dass er – ohne auf die anderen zu hören – seinen Weg gehen kann, den Weg der Liebe…
    Allerliebste Herzensgrüße zu dir, Elisabeth

  2. Erika Says:

    Liebste Andrea,
    danke Dir für diese schöne Geschichte, die ich schon einmal irgendwo gelesen habe und die so wahr ist. Es dauerte lange, bis man das verinnerlicht, nichts auf das Gerede der anderen zu geben und auf sich zu hören. Hat man das einmal angefangen, auf sein Herz und seine Intuition zu hören, geht es immer leichter und man spürt, dass man für sich selbst am besten sorgt und lässt die anderen reden…..
    Danke für das schöne Bild, ich liebe Esel
    herzlichst grüßt Dich
    Erika

  3. Kronprinz Says:

    Liebe Andrea,
    das ist eine sehr eindrucksvolle Geschichte und wieder fällt mir „Folge deinem Herzen“ dazu ein! Und es gibt ja auch Menschen und Freunde, die nicht bewerten und urteilen über das, was man denkt und tut. Da fällt mir spontan das LOLA-Buch dazu ein..“Urteilen blockiert Energie und das Leben“
    und der Esel schaut echt süß aus🙂
    Einen ganz lieben Frühlingsgruss vom Kronprinz

  4. Lilie Says:

    Liebe Andrea,
    eine ganz wunderbare Geschichte mit einer Wahrheit, wie ich sie früher auch schon kennen gelernt habe. Heute wird wahrscheinlich ebenso geredet, doch ich höre es ncht mehr … tja, je älter ich werde, desto mehr lässt mein Gehör in solchen Fällen nach … und darüber bin ich sehr froh😉
    Lieben Gruß zu dir
    Iris

  5. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    diese Geschichte stammt doch, nein, von dem ist sie nicht. Und weiter suchen darf ich nicht.
    Es recht zu machen jedermann
    ist eine Kunst, die keiner kann.
    Habe ich vor nahezu 20 Jahren aufgeschanppt.
    Herzliche Grüße, Jörg

  6. Schaps Says:

    Sehr schöne Geschichte

  7. seelenfrau3 Says:

    Wunderbar diese Geschichte, liebe Andrea. Genauso ist es… man kann es niemals allen recht machen… Hauptsache, man macht es sich selbst recht. Selten interessiert mich, was andere über mich denken… und wenn, kommt’s darauf an, WER es ist.
    Diejenigen, die am meisten tratschen, kehren selten vor der eigenen Tür.

    Mit einem Lächeln und herzlichen Grüßen, Gabriele😉

  8. theomix Says:

    Jetzt hab ich’s, Andrea, Johann Peter Hebel, Seltsamer Spazierritt, und zum Beispiel hier:
    http://www.magicvillage.de/~reinhard_kaaden/mecklenburg/hebel_spazierritt.html

    Ich werte das nun als Ausnahme, wenn mir einfällt, woher es kommt.😉 Das Original ist an Kürze und Stil kaum zu übertreffen. Deswegen spukte es mir auch sofort im Kopf herum.
    Lieben Gruß, Jörg

  9. Mamü Says:

    Liebe Andrea,

    ich bin ganz begeistert vom Text. Genau so ist es nämlich. *lach* Egal, was du tust, es gibt immer (und in diesem Fall mag ich das Wort „immer“😉 ) mindestens einen, dem man es nicht Recht macht.😀
    Das muss ich heute Abend Herrn Buchstabenwiese vorlesen.😀

    Danke für diese prima Erheiterung.

    Liebe Grüße,
    Martina

  10. Rima Says:

    Liebe Andrea, was für eine weise Geschichte.
    An dieser Stelle mal einen lieben Dank dafür, dass ich durch deine Posts oft nachdenklich werde. Denn so manches geht leider in der Hektik des Alltags unter.
    Ich habe direkt an jemanden denken müssen, als ich das gelesen habe. Dem werde ich die Geschichte direkt mal weiterempfehlen.
    Liebe Grüße,
    Rima

  11. andrea2007 Says:

    Liebste Elisabeth, diese Geschichte hat mich auch nachdenklich gemacht, wenn gleich sie mich AUCH zum Schmunzeln gebracht hat. Es zeigt mir, dass es gar nicht so wichtig ist, was man tut, es gibt immer irgendjemanden, der meckert:-) Deinen Wunsch unterstütze ich von ganzem Herzen, nicht nur für diesen Mensch, sondern auch für Dich und für mich und alle meine und Deine Leser und überhaupt alle Menschen… Allerliebste Grüsse zu Dir, Andrea

  12. andrea2007 Says:

    Liebste Erika, ja irgendwie begegnen uns unsere Geschichten immer wieder einmal, geht mir auch so… Ich gebe ehrlich zu, dass ich mich nicht ganz von der Meinung anderer Menschen lösen kann, im Rahmen gewisser Konventionen. Doch wenn mein Bauch und mein Herz mit mir sprechen, dann ist DAS immer viel wichtiger und darauf höre ich auch…Wie heisst das Lied von den toten Hosen: lass die Leute reden und kümmer Dich nicht drum:-) Herzlichste Grüsse und ich mag auch Esel:-) Andrea

  13. andrea2007 Says:

    Lieber Kronzprinz, es gibt diese Menschen, die kaum bewerten und urteilen, und es gibt Menschen, die finden hinter jeder Handlung die positive Absicht und es gibt Menschen, die zitieren schöne Dinge aus guten Büchern, danke dafür… Liebe Grüsse Andrea

  14. andrea2007 Says:

    Liebe Iris, Du meinst, dass das Gehör im Alter nachlässt, hat auch noch diese gute Nebenwirkung?:-) Ja es stimmt, je älter und sich selbst bewusster ich werde, umso weniger ist es wichtig, was „die Leute“ sagen; anders bei Menschen, die mir nahe stehen, Menschen, die mir viel bedeuten… Da bin ich dann auch eher mal HELLhörig statt SCHWERhörig:-) Herzliche Grüsse an Dich, Andrea

  15. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, danke für den Link; ich hab mir mittlerweile angewöhnt, Bild- und Textquellen zu verlinken, wenn möglich und somit mach ich mir gar nicht mehr so einen Kopf, woher was ursprünglich kommen mag… Das Original ist wirklich sehr prägnant, danke Dir, liebe Grüsse Andrea

  16. andrea2007 Says:

    Danke, lieber Schaps, liebe Grüsse an Dich, Andrea

  17. andrea2007 Says:

    Liebe Gabriele, ja es kommt immer drauf an, WER es ist, so geht es mir auch. Diejenigen, die am meisten über andere urteilen und schimpfen, wollen oft von sich selber ablenken oder fühlen sie „gespiegelt“ … Herzliche Lächel-Grüsse zurück an Dich, Andrea

  18. andrea2007 Says:

    Liebe Martina, in diesem Fall mag ich auch das Wort „immer“:-) Bin ja mal gespannt, was Herr Buchstabenwiese gesagt hat zu der Geschichte…:-) Liebe Grüsse Andrea

  19. andrea2007 Says:

    Liebe Rima, auch bei mir geht vieles in der Hektik des Alltags unter. Umso mehr Freude hab ich selber an meinen Beiträgen, denn dadurch beschäftige ich mich mit diesen Dingen und wenn ich dann noch so liebe Kommentare kriege, dann ist mein Glück perfekt. DANKE! Auch bei Dir bin ich gespannt, wie die Person auf die Geschichte reagiert:-) Herzliche Grüsse Andrea

  20. anita Says:

    Liebe Andrea,
    es ist eine meiner Lieblingsgeschichten, die ich vor vielen Jahren gefunden habe. Danke fürs erinnern.

    Liebe Grüsse
    Anita

  21. Dori Says:

    Liebste Andrea,

    diese Geschichte kannte ich schon🙂
    Ich kann inzwischen wunderbar nach dem Motto leben:
    Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert – zauberlächel.

    Allerliebste Herzensgrüße
    Dori😉

  22. Babsi Says:

    liebste andrea
    diese geschichte lese ich auch immer wieder gerne. wobei ich für mich die moral etwas anders definiere.
    wir können es nicht allen recht machen und ich denke das brauchen wur auch nicht, solange wir unserem herzen folgen und unser ziel erreichen
    huch das sagt die richtige ggg denn auch ich will es ja immer allen recht machen🙂
    liebste donnerstagsgrüße von babsi

  23. ina Says:

    oh, diese wunderbare geschichte ist neu für mich, danke dir ganz herzlich! ich finde die geschichten so schön, wo die weisheit auf humorige art vermittelt wird. mit einem schmunzeln und gleichzeitig nachdenken.
    liebe grüße!

  24. andrea2007 Says:

    Liebe Anita, Du warst leider im Spam gelandet.. Aber da biste jetzt ja raus…:-) Schön, dass ich Dich an eine Lieblingsgeschichten erinnern konnte… Liebe Grüsse zu Dir, Andrea

  25. andrea2007 Says:

    Liebste Dori, diese Worte zitierte schon mein Vater vor Jahren *schmunzel-zurück* So ganz kann ich das zwar nicht, aber es wird…:-) Ich komm schon noch zu der Lila-Hut-Gestalt. Grinsende Grüsse Andrea

  26. andrea2007 Says:

    Liebste Babsi, ich glaube, der Wunsch, es allen recht zu machen, der ist in uns allen-mehr oder weniger ausgeprägt. Wichtig ist, dass wir es auch UNS SELBER rechtmachen dabei, uns selber nicht vergessen… Und das sagt auch die richtige, hab ich das jahrelang vernachlässigt:-) Herzlichste Freitagsgrüsse Andrea

  27. andrea2007 Says:

    Liebe Ina, viele Dinge im Leben sind mit Humor einfach schöner, besser, angenehmer. Deshalb versuche ich auch hier die ernsten Dinge manchmal mit einem lustigen Bild oder Zusatz zu garnieren und aufzulockern:-) Schön, dass Du auch so denkst… Herzliche Grüsse aus NRW, Andrea

  28. gokui Says:

    hitotsu makoto no michi o mamoru koto ( japanisch )
    Es ist wichtig, daß Du in Redlichkeit, Ehrlichkeit und Treue den Weg verteidigst. ( deutsch )

    ein kleiner auszug aus dem dojokun, welches hilfsrichtlinien aus den japanischen kampfkünsten sind.
    ich würde es nun spontan so hier einsetzten, daß man auch seinen weg sein leben sich selbst eingesteht und dieses auch in der öffentlichkeit ( authentisch ) und somit „richtig“ lebt.
    es hilft nix sich zu verbiegen, die leute reden doch.😉

    schönes wochende noch

  29. andrea2007 Says:

    Lieber gokui, vielen Dank für den Ausflug in die japanische Weisheit… Sich zu verbiegen ist ganz schlecht, auf die Dauer gibt das mindestens Rückenschmerzen… Liebe Grüsse Andrea

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