Benjamin

Wir tauften ihn Benjamin, der blutjungen sympathischen Kellner, auf die Gefahr hin, dass er vielleicht doch Sebastian heissen möge, was unsere zweite Wahl war. Er erschien uns so jung, dass wir vermuteten, dass er seine Schicht so früh beendete, weil er am nächsten Tag eine Englischarbeit schreiben müsse…

Wunderbar höflich und zuvorkommend schleppte er die Menükarte in Form eines riesigen schweren Holzschildes vor unseren Tisch. „Hähnchenbrustfilet“, las meine Freundin laut und setzte damit bei Benjamin einen Dialog mit sich selbst in Gang, der uns in Erstaunen und Lachen versetzte. Er sagte Dinge, antwortete sich selbst, verbesserte sich, ein wahres Schauspiel.

„Hähnchenbrustfilets, die waren GESTERN richtig lecker… als ich ging… zum Abschied… also die sind heute natürlich FRISCH… also NICHT aufwärmt…“ es wurde immer verworrener, wir konnten uns das Lachen nicht mehr verkneifen, als er mit dem schweren Schild in der Hand murmelnd den Rückzug antrat “ … deshalb haben Sie wahrscheinlich gelacht…“

Nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben haben, kam er sicher mindestens 6mal mit irgendwelchen Nach-Fragen an den Tisch: “ Das Wasser, sollte das still sein oder mit Kohlensäure?“ “ Was soll denn als Vorspeise kommen und was als Hauptspeise?“ “ Was soll denn zuerst kommen?“ Beim letzten Mal leitete er die Frage ein mit: “ Jetzt wirds langsam peinlich… ich müsste noch wissen…“ Er kämpfte sichtlich und war dabei von gleichbleibender Freundlichkeit, was hatte dieser Mensch für eine Geduld mit sich selber… bewundernswert.

Trotz aller Fragen oder vielleicht gerade WEGEN all dieser Fragen, bekam er es hin, dass immer nur EINER von uns Dreien etwas zu Essen auf dem Tisch hatte- bestimmt aus Rücksicht, damit sich die beiden anderen ungestört weiterunterhalten konnten;-) – einer bekam Vor-und Hauptspeise ZUSAMMEN und einer bekam GAR KEINE Hauptspeise… Und trotzdem brach keine Panik aus und es blieb eine total ruhige Atmosphäre, wenn man von unseren zwischenzeitlichen Lachanfällen absah… wir hatten schon Muskelkater vom Lachen und wir würden trotz aller Unstimmigkeiten einstimmig dieses Lokal- das es zu seiner Verteidigung erst seit wenigen Wochen gab- weiterempfehlen, das Essen war fantastisch und wir bekamen sogar als Entschuldigung jeder ein feines Dessert offeriert…

rabe_kellner

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21 Antworten to “Benjamin”

  1. sunny11178 Says:

    *lach* na da wär ich gern Mäuschen gewesen 🙂
    Fröhliche Grüße,
    Sunny

  2. Lilo Says:

    Selbst beim Lesen musste ich herzhaft lachen 🙂 Ich kann mir gut vorstellen wie lustig diese Situation war. Und wenn das Essen lecker war, dann empfiehlt man es natürlich gerne weiter. Klingt ja irgendwie doch sehr liebenswert, dieser Kellner, der so ruhig und freundlich geblieben ist 🙂

  3. rundumkiel Says:

    Klasse Artikel, witzig! Ich kann mich richtig in die Situation hineinversetzen. Im Prinzip ist das eine geniale Marketing-Idee: Der Service ist eine Mischung aus extrem schlecht (die Organisation, die Kompetenz…) und extrem gut (die Kommunikation, die Kundenorientierung), so dass am Ende das Produkt (=das Restaurant) mit einem positiven Image wegkommt und sogar noch weiterempfohlen wird. Super! Neue Markenkreation: schlecht wirkt gut…

  4. Erika Says:

    Liebste Andrea,
    danke Dir für diese Erheiterung. Du bringst es immer wieder fertig, lustige Geschichten und Ernstes im Wechsel zu veröffentlichen.
    So kann man auch zwischendurch auch mal lachen, was ich auch getan habe. Sonst wird alles zu ernst. Das Leben ist auch lustig, auch wenn wir nebenbei hart an uns arbeiten, gell??? und verdauen müssen, was oft noch schwer fällt, …..aber immer besser wird,
    ganz liebe herzliche Grüße
    Erika 🙂

  5. Bonafilia Says:

    sehr schön….ich seh im geistigen Auge meinen großen Sohn vor mir! Eine amüsante Geschichte bei der ich sicher bin das ihr sie noch öfters erzählen werdet….hauptsache es hat Spaß gemacht!

    Heute schon gelacht?

    LG Bonafilia

  6. Schonzeit Says:

    Schlechter Service ist eben auch immer eine Erlebenssache.

  7. Lilie Says:

    Solche Geschichten erheitern doch das Leben. Das schöne daran ist, dass man diese Begebenheiten auch nicht so schnell vergisst und sich auch noch lange Zeit später darüber amüsieren kann.
    Liebe Grüße
    Iris

  8. Elisabeth Says:

    *lach* Jaja, liebste Andrea,
    all diese Fragen… waren vermutlich nicht die RICHTIGEN Fragen… 😉
    Allerliebste Abendgrüße zu dir, Elisabeth

  9. andrea2007 Says:

    Liebe sunny, bist Du ja jetzt praktisch durch’s Lesen:-) Heitere Grüsse Andrea

  10. andrea2007 Says:

    Liebe Lilo, ja der war total süss und liebenswert, weil er so nett und freundlich blieb, obwohl er am liebsten vor Scham im Erdboden versunken wäre… Er wollte alles so richtig machen und das spürte man total. Schön, dass es Dich zum Lachen gebracht hat, wir haben SEHR gelacht und er konnte auch ein bisschen mitlachen… Lachende Grüsse Andrea

  11. andrea2007 Says:

    Hallo rundumkiel, danke für die Blumen… Von Deiner Sichtweise aus habe ich das noch nicht betrachtet, ich kann Deinem Gedankengang folgen und zustimmen… Und vielleicht waren es einfach die Anfangsschwierigkeiten. Auf jeden Fall war es sehr persönlich, denn am Ende setzte sich der Wirt an unseren Tisch mit einem Glas Rotwein und einem Buch, ja er wollte nicht mit uns reden, sondern nicht irgendwo alleine sitzen, der Tisch war sehr gross und er sass am anderen Ende, aber doch an unserem Tisch. War total sympathisch. Liebe Grüsse nach Kiel und rundum Andrea

  12. andrea2007 Says:

    Liebste Erika, ich liebe Abwechslung und ich liebe es zu lachen, das Leben von seiner humorvollen Seite zu sehen… Schön, dass Dir das gefällt und AUFfällt. Ja, wir schaffen das alles, da bin ich mir ganz sicher. Herzlichste Grüsse Andrea

  13. andrea2007 Says:

    Liebe Bonafilia, ja so ein Typ wie Dein Sohn war das- optisch jedenfalls… Ich glaube auch, dass wir noch oft drüber lachen werden, dass das Hühnchen NICHT aufgewärmt war:-) Heute schon gelacht? Ja klar, ich lache jeden Tag, allerdings nicht immer so doll wie an dem Abend:-) Lachende Grüsse Andrea

  14. andrea2007 Says:

    genau, Herr Schonzeit, für mich ist schlechter Service auf jeden Fall Unfreundlichkeit und Unaufmerksamkeit, und das war beides nicht der Fall…:-) Liebe Grüsse Andrea

  15. andrea2007 Says:

    Liebe Iris, genau- solche Geschichten gehen meist „in die Geschichte“ ein und nur ein Satz kann dieselben Lachanfälle abrufen, die wir dort hatten…:-) Fröhliche Grüsse Andrea

  16. andrea2007 Says:

    Liebste Elisabeth, *grins“ – unser Thema… Die Fragen waren die richtigen Fragen, nur kam er für jede einzeln vorbei:-) Vielleicht waren wir ihm auch so sympahtisch, dass er das als Ausrede nahm, um immer wieder mit uns zu sprechen:-) Allerliebste Humorgrüsse Andrea

  17. Mamü Says:

    *lach*
    Und ihr habt etwas für die Gesundheit getan, liebe Andrea. 😉 Lachen ist doch gesund. Alleine deshalb kann man das Lokal weiterempfehlen. :mrgreen:

    Liebe Grüße,
    Martina

  18. Schlossgeist Says:

    Liebe Andrea,

    Benjamin ist genau der richtige Name für den Kellner..ich seh ihn förmlich vor mir, so anschaulich und lustig hast du das geschrieben.

    Lieben Gruss vom Schlossgeist

  19. andrea2007 Says:

    Liebe Martina,

    die ultimative Lach-Gesundheitstherapie… ich werd es mal vorschlagen:-) Lachende Grüsse Andrea

  20. andrea2007 Says:

    Lieber Schlossgeist, schön dass ich Deine Phantasie bzw. Dein Kopfkino in Gang setzen konnte… Lächelnde Grüsse Andrea

  21. Schonzeit Says:

    Für mich ist schlechter Service eben alles, was die abgeforderte Leistung „schlechter“ macht. Aber eben nicht zwingend das Gesamtbild verschlechtert.

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