Wo soll das hinführen?

Ich bin alles andere als ein politischer Mensch und normalerweise interessieren mich die Schlammschlachten auch weniger, die da geführt werden. Doch diese Bankgeheimnis- schwarze Liste-Cowboy und Indianer- Geschichte, die macht mich jetzt einfach wütend.

Dabei geht es mir gar nicht mal darum, dass auf die Schweiz Druck ausgeübt wurde, dass der Bundesrat dem Druck nicht standhalten konnte, dass wiederum Herr Steinbrück  sich dann mit dem Indianer-Spruch über den Schweizer Bundesrat lustig machte, als sie das taten, was er eigentlich mit Druck provoziert hatte,  dann wiederum von einem anderen Schweizer (hab vergessen, von wem, ist auch nicht wichtig, Namen von Menschen, die sowas von sich geben, muss man sich auch nicht merken) völlig fehl am Platz in einen Nazi-Zusammenhang gebracht wurde oder  dass Herr Bundesrat Maurer als „kleiner persönlicher Protest“ seinen Mercedes-Dienstwagen gegen einen Renault tauscht usw.

Es wundert mich allerdings auch nicht, dass Herr Steinbrück auch in Deutschland unbeliebt ist; dass es bei Facebook eine Gruppe gibt, die da heisst „Ich könnte Peer Steinbrück pausenlos die Fresse polieren“ und diese Gruppe über 20.000 Mitglieder hat.  Und in der „Schweizer Illustierte“ schreibt der Chefredakteur: “ In seiner (Steinbrücks) Vorstellung ist die Schweiz ein Hort von Reichen, die man schröpfen muss, weil sie ihren Reichtum auf illegale Art erreicht haben.“ 

Wo soll das hinführen? In der Sonntagszeitung hab ich einen sehr guten Kommentar gelesen von Klaus J. Stöhlker. Ich darf mal zitieren:

„Wenn ein als Grobian bekannter deutscher Finanzminister, Peer Steinbrück, auf die Schweiz einschlägt, hätte ein Berner Spitzendiplomat mit einer klugen Stellungnahme, die er innerhalb weniger Stunden an die einheimischen Medien weiterleitet, dem Angriff die Spitze nehmen können. Er hätte sagen und schreiben können: < Deutschland ist ein wichtiger Partner der Schweiz, vielleicht der wichtigste überhaupt, weshalb wir nicht verstehen, dass ein deutscher Politiker die Grenzen des politischen Anstands überschreitet. Schweizerinnen und Schweizer erwarten Respekt und Zusammenarbeit zum gemeinsamem Vorteil.>

Diese Souveräne Reaktion ist ausgeblieben, weshalb das Volk, einzelne Politiker und die Medien die wildesten Szenarien und Forderungen entwickelt haben. Das ist der falsche Krieg.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz sind belastet. Dafür gibt es viele Gründe: der Kampf um das Bankgeheimnis, die zunehmende Importschwäche Deutschlands, die unseren Firmen schadet, und die Einwanderung sehr vieler Deutscher, die sich natürlich schwertun mit den Feinheiten unseres Zusammenlebens. Wie kann die Situation wieder normalisiert werden? Unsere Bundesräte müssen wieder mehr nach Berlin reisen als in exotische Staaten, wo sie ohnehin nichts erreichen. Unsere Kulturpolitik muss wieder eine Brücke schlagen. Unsere Wirtschaftsvertreter, die Baniervereinigung und viele andere müssen über das Tagesgeschäft hinaus wieder besser erklären, was uns verbindet. Die Handelskammern wie die Botschaften beider Staaten sind in Routine versunken; das reicht nicht in der Krise.

[jetzt kommen ein paar Beispiele für Unternehmer, die die Schweiz in Deutschland auf gute Weise vertreten, ich nehme nur eines stellvertretend heraus]

Der St. Galler Privatbankier Konrad Hummler vetritt den Schweizer Standpunkt in Deutschland sehr aufrecht und wird deshalb auch nie angegriffen. Es müssen Menschen sein, die mit Menschen vernünftig sprechen. Weder Diplomaten noch Bürokraten alleine, wie dies heute der Fall ist, sind dem gewachsen. Wir haben jedes Jahr zum 1. August in Berlin ein grosses Schweizer Fest. Ich finde, jetzt sollten wir mehr denn je investieren, um dort die Schweiz als Freund Deutschlands zu zeigen.

Besonders gefordert sind die Schweizer Künstler, Schriftsteller und Intellektuellen. Sie müssen Deutschland wieder zu einem Thema machen, das in die Zukunft weist. Wir geben Millionen von Franken für staatliche Kulturförderung auch in Deutschland aus. Wie wenig ist davon zu hören und zu spüren. Wenn wir mit den Deutschen wieder vernünftig sprechen wollen, sollten wir aber zuerst an jene denken, die bei uns im Land leben. Sie könnten zu Botschaftern der Schweiz werden, wenn sie, was sie häufig tun, in ihre Bundesländer zurückkehren. Sie könnten dort berichten, wie sie die Schweiz erleben und weshalb es schön ist- wie es mir geschehen ist- in diesem Land zu verweilen. “ 

Es kann doch nicht sein, dass ein paar wildgewordene Politiker im Rahmen ihrer Selbstüberschätzung die Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz so auf’s Spiel setzen? Ich fühle mich mit beiden Nationen verbunden und ich kann nur noch den Kopf schütteln über so ein Benehmen.

streits-logo_small

Advertisements

18 Antworten to “Wo soll das hinführen?”

  1. Alex Says:

    Liebe Andrea,

    dieser Beitrag ist wirklich das einzig Positive, was ich zu dieser unsäglichen Angelegenheit bis her gelesen habe. So wünsche ich dir,
    dass sich das Positive daraus genau so schnell verbreitet wie wir von all
    dem negativen überfahren wurde.

    Darum: „Vielen Dank für Deinen Beitrag“.

    Guten Start in den neuen Tag

    Gruss Alex

  2. zentao Says:

    Liebe Andrea
    Danke Dir dies ist ein schöner Beitrag und ich glaube Du hast alles gesagt, was gesagt werden muss, Wir von den Blogs müssen uns allgemein im Internet mehr engagieren.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag
    liebe Grüsse zentao

  3. Dori Says:

    Liebste Andrea,

    wirklich? Gibt es solch eine Gruppe?
    Ich finde den Beitrag toll, er spricht mir aus dem Herzen, und er kommt unglaublich authentisch rüber, weil er aus Deinem Herzen geschrieben wurde.

    Viele liebe Sonnengrüße

    Dori 🙂

  4. april Says:

    Ooops, das habe ich gar nicht mitgekriegt und ich kann auch nur sagen, wie ich sehe. Es ist nicht nur landschaftlich eines der schönsten Länder der Erde, sondern ich bewundere vieles dort und beneide die Schweizer um vieles. Es gibt mehr direkte Demokratie; ich habe den Eindruck, dass sich die normalen einfachen Bürger für das Gemeinwohl interessieren; ich bewundere die Verkehrspolitik.
    Letztens beobachteten wir eine Mutter, deren Kind seinen Abfall auf den Boden warf. Sie bat es, das aufzuheben und zum abfalleimer zu bringen. Und das geschah auch. Hier bei uns werfen die Eltern als „Vorbilder“ selber ihren Abfall auf den Boden. Das sagt doch alles.
    Aber es könnte schon stimmen, dass viele Deutsche zu wenig über die Schweiz wissen und dass das Bild, das sie haben, falsch ist.

  5. Mamü Says:

    Liebe Andrea,

    öh, zu dem Thema kann ich leider nichts sagen. Ich mag die Schweiz.
    Ich wollte mich nur zurückmelden. 🙂

    Liebe Grüße,
    Martina

  6. andrea2007 Says:

    Lieber Alex, ich werde weiterhin an guten deutsch-schweizerischen Beziehungen schaffen, wie auch an deutsch-italienischen, deutsch-argentinischen, deutsch-russischen.. usw. 🙂 Freut mich, dass Du meinen Beitrag positiv auffasst, dann lass es uns verbreiten, das Positive… Liebe Grüsse und einen schönen Abend Andrea

  7. andrea2007 Says:

    Lieber Zentao, danke Dir für das schöne Feedback. Ja, ich bin überzeugt, auch wir Blogger können sehr viel zur Völkerverständigung tun, schaffen wir eh schon länderübergreifend und haben einen sehr friedlichen, humorvollen und respektvollen Umgangston untereinander. Das schätze ich sehr. Liebe Grüsse Andrea

  8. andrea2007 Says:

    Liebste Dori, ja diese Gruppe gibt es tatsächlich! Ich bin aber nicht eingetreten, weil ich mich damit auch nicht identifizieren kann. Schön, dass mein Artikel authentisch rüberkommt, ja er ist aus meinem Herzen geschrieben. Ich als Waage kann solche Ungerechtigkeiten sowieso gar nicht leiden.
    Allerliebste Sonnengrüsse Andrea

  9. andrea2007 Says:

    Liebe Ingrid, vielleicht ist es auch besser, wenn Du den Sachverhalt nicht kennst, zuviel Aufmerksamkeit verstärkt das ganze nur.
    Ich mag die Schweiz auch sehr und hab die Schweizer als respekvolle, höfliche Menschen kennengelernt, allerdings hab ich mich als Fremde auch von Anfang an respektvoll verhalten in ihrem Land und ich hatte nie Probleme, mich einzuleben und aufgenommen zu werden.
    Wenn die Deutschen zu wenig von der Schweiz wissen, kann ich das ja hier ein bisschen ändern. Werde mir mal dazu Gedanken machen.
    Liebe Grüsse Andrea

  10. andrea2007 Says:

    Liebe Martina, da hast Du ja genau das Richtige dazu gesagt! Und schön, dass Du wieder da bist. Allerliebste Grüsse Andrea

  11. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    in Deutschland ist seit Jahresanfang Wahlkampf. Da meint auch ein Minister mal poltern zu müssen um stimmen zu gewinnen. Dumm nur, wenn das ab ins Nachbarland geht – das wird dann böse Polemik.
    Aber sonst: Welcher Finanzminister war oder ist beliebt?
    Herzliche Grüße, Jörg

  12. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, das mit dem Wahlkampf hab ich neulich auch schon von einem deutschen Freund gehört. Dumm für Herrn Steinbrück, dass er sich mit dieser Art von Wahlkampf auch in Deutschland keine Freunde macht…Herzliche Grüsse Andrea

  13. Istschonzeit Says:

    Immer wird es zwischen Bürgern verschiedener Nationen missverständnisse geben. Da kann man noch so viel Aufklärung betreiben. Das hat mit dem eigenen Dunstkreis zu tun und passiert bis runter zu Straßen oder Stadtteilen immer und überall.

    Und eine Sache vergisst dein ansonsten sehr schöner Beitrag. Wenn Steinbrück so auftritt, dann geschieht das, weil er sich im Wahlkampf befindet und „harter Mann“ spielt. Wohl zu viel Brezel mit Bush gegessen.

  14. Roger Kaufmann Says:

    Hallo Andrea

    Du baust wirklich Brücken, schöne praktische Beispiele.

    Herzliche Dank!

    Roger 🙂

  15. andrea2007 Says:

    Lieber Herr Schonzeit, es stimmt zwar, dass ich das in den Artikel nicht eingebaut habe, aber wie ich schon in der Antwort an Jörg schrieb, ich bin sicher, dass er sich durch dieses Verhalten- das er ja auch ähnlich in Deutschland selber an den Tag legt- sich im Wahlkampf keine Freunde macht… Es wird immer Missverständnisse geben, das fängt ja im kleinsten Kreis schon an, warum sollte das bei verschiedenen Nationen anders sein, ABER man muss es ja nicht noch so schüren…Meine Meinung… Liebe Grüsse Andrea

  16. andrea2007 Says:

    Lieber Roger, danke für Deinen Besuch und danke für die anerkennenden Worte. Ich mag es, Brücken zu bauen… Liebe Grüsse Andrea

  17. Schonzeit Says:

    ich bin auch der Meinung, dass Herr Steinbrück sich damit keine Freunde macht. Aber auf mich hört der Mann ja nicht und ich fürchte in seiner Realität ist das populär. *seufz*

  18. andrea2007 Says:

    dann liegt es wohl jetzt in der Hand der deutschen Wähler… und dann kommt es noch drauf an, was die Alternative wäre… Dass er eine leichte Realitätsverschiebung hat, darüber sind wir uns doch wohl einig, oder? und jetzt genug von diesem Menschen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: