„Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch

Die liebe Gaba hat mich hier wieder daran erinnert, dass ich schon längst etwas über „Anglizismen“ schreiben wollte. So lautet ein Artikel in „meiner“ Sonntagszeitung

„Wer nichts zu sagen hat, der sagt es auf Englisch“ und ist ein Interview mit Professor Walter Krämer, Verteidiger der deutschen Sprache.

„Herr Krämer, haben Sie sich heute schon über einen Anglizismus geärgert?

Ich bin Zug gefahren und so am „Service Point“ meines Bahnhofes vorbeigekommen. Das hat mich schon ein wenig geärgert.

Der Verein Deutsche Sprache hat gerade den neuen Anglizismen Index ins Netz gestellt. was möchten Sie damit erreichen?

Zunächst einmal möchten wir den Leuten zeigen, wie viele englische Wörter bereits deutsch-sprachige Begriffe verdrängt haben. Wir haben rund 6800 Anglizismen aufgelistet. 50 – 100 davon sind eine Bereicherung, etwa „fair“ oder „Foul“ im Sport. Die übrigen verdrängen bekannte deutsche Wörter.

Zum Beispiel?

Nehmen Sie den oder das Event. Dieses Wort wälzt ein ganzes deutsches Wortfeld platt. Für Event gibt es zahlreiche, erheblich bessere und aussagekräftigere deutsche Wörter.

Machen Sie sich nicht zum Gespött, wenn Sie Airbag durch Prallkissen ersetzen wollen?

Gerade das ist eines meiner Lieblingsbeispiele. Der Airbag wurde von Daimler in Stuttgart erfunden. Heute denkt jeder, das sei eine Erfindung der Amerikaner. Mit der englischen Wortwahl hat Daimler einen riesigen Marketingvorteil {ist Marketing nicht auch Englisch, Herr Krämer? Anmerkung von mir} verschenkt. Zumal beschreibt Prallkissen die Vorrichtung präziser als Airbag.

[…] Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch. Das gilt besonders in meinem Fach, der Volkswirtschaft. Die wirklich führenden Leute reden entweder perfektes Englisch oder perfektes Deutsch, aber nicht eine Mischung von beidem. DAS tun nur die wissenschaftlichen 40Watt-Leuchten.

Kritiker behaupten auch, Anglizismen schlössen ältere Leute von der Kommunikation aus.

Das kommt hinzu. Meine Mutter kam mal mit einer Rechnung der Telekom zu mir und sagte: Ich versteh nicht, was diese Free-Calls und City-Calls bedeuten. Deswegen haben wir und andere Aktivisten einige Monate lang die Telefonrechnung nicht bezahlt. Es gibt ja in Deutschland dieses schöne Urteil, dass Rechnungen, die nicht in Deutsch geschrieben sind, nicht bezahlt werden müssen {und warum wusste ich das bisher nicht? Anmerk. von mir} Darauf hat die Telekom wieder auf Orts- und Ferngespräche umgestellt.

[…] Ihr Verein besteht seit 1997, wie erfolgreich sind Ihre Bemühungen, unnötige Anglizismen zu beseitigen?

Sehr erfolgreich sind die Bemühungen in der Werbung. Das ist allerdings nicht allein unser Verdienst. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Grossteil der Leute die englischen Slogans gar nicht versteht. Seither sind fast alle neuen Werbesprüche wieder in der Landessprache {richtig: möchten Sie Bananen? Sagen Sie Bananen:-) Anmerk. von mir}“

Hier ein paar Bespiele aus dem o.a. Index:

Airbag – Prallkissen
Bestseller- Verkaufsschlager, Erfolgsbuch
Design – Entwurf, Konstruktion, Formgebung, Gestalt
Event – Ereignis, Erlebnis, Geschehen, Auftritt, Hingeher (?)
mobben- ausgrenzen, schikanieren
Snowboard- Skibrett (???)

Weitere Beispiele für aussergewöhnliche englische Job-Bezeichnungen findet Ihr in diesem Beitrag , viel Spass:-)

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16 Antworten to “„Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch”

  1. Dori Says:

    Sehr schön, meine liebe Andrea, sehr sehr schön!

    Das ist mal wieder so richtig etwas aus dem Herzen. Meine 76-jährige Mutter ist jedes Mal völlig irritiert, wenn sie im Fernsehen eine bestimmte Werbung sieht: „Come in and find out“.

    Wenn ich in der Firma ein Problem mit meinem Compi? habe, dann muss ich den „Helpdesk“ anrufen. Hallo? Ich bin in einem stinkdeutschen Unternehmen tätig mitten in der Landeshauptstadt von NRW. Hier gibt es so viele englische Ausdrücke, dass ich manchmal nicht weiss, wovon „die“ eigentlich sprechen. Ich tue dann ja keinesfalls so, als wüsste ich das, sondern frage nach. Sofort schnellen sämtliche Augenbrauen fragend und missbilligend in die Höhe.

    Kürzlich erzählte ich jeMANdem, das ich mir bei A M A Z O N ein Buch bestellt habe. Da schaut er mich von oben bis unten kritisch prüfend an und meint: Das heisst E M M E S E N.

    In diesem Sinne,

    have a nice week-end,

    Dori 🙂

  2. Alex Says:

    Hallo Andrea,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Das habe ich mir jetzt mit einem riesen Genuss zu Gemüte geführt. An solchen Artikeln kann ich mich stundenlang
    verweilen. Auf der einen Seite verstehe ich auch nicht, warum wir jedes Deutsche Wort unbeding in eine Englisches konvertieren müssen. Auf der anderen Seite ist es dann wieder sehr belustigend, wenn die Verfechter der Deutschen Sprache über ihre eigenen Ansprüche, Zitat „Marketingvorteil {ist Marketing nicht auch Englisch, Herr Krämer? Anmerkung von mir}“, fallen.

    So schätze ich mich sehr glücklich, ein Leser diese Blogs ( -> wie heisst wohl das in Deutsch ) zu sein und gehe mit einem lächeln im Gesicht Richtung Wochenende.

    cheers Alex

  3. Elisabeth Says:

    Oh ja, liebste Andrea *lach*
    Meine 79-jährige Mama versteht auch nur mehr Bahnhof, und auch ich musste mich daran gewöhnen, dass alles nur mehr englische Bezeichnungen hat. Was allerdings den Vorteil hat, dass man seine Englischkenntnisse niemals vergisst 😉 Ver-rückte Welt…
    Alles Liebe und fröhlich-lachende Grüße von Elisabeth

  4. Schaps Says:

    Hm…es ist immer etwas schwierig mit den Anglizismen…ich benutze auch recht viele. Aber es gibt noch viel schlimmere Leute, die wirklich absolut dömelig reden, die sagen dann nicht Wochenende, sondern Weekend…also sowas würd mir NIEMALS unterkommen…die Begriffe die ich benutze haben entweder was mit Technik zu tun oder sind sowieso schon etabliert, wie cool, Computer und der ganze Kram.

  5. andrea2007 Says:

    Hihi, liebste Dori, ich muss bei Deinem Kommtar einfach schmunzeln, ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Du Dich absichtlich „dumm“ stellst…Hoffentlich wissen die anderen auch immer, was ihr englisches Wort überhaupt bedeutet:-) Take care…:-) Andrea

  6. andrea2007 Says:

    Lieber Alex, schon an anderer Stelle heute ein Riesenkompliment und nun auch hier, da werd ich ja richtig verwöhnt, lieben Dank. Auch ich benutze gewissen englische Ausdrücke, aber ich finde, man muss es auch nicht übertreiben. Tja, und ob Blog KEIN deutsches Wort ist, bleibt noch zu beweisen:-) ein tolles Wochenende und viel Spass, Andrea

  7. andrea2007 Says:

    Liebste Elisabeth, wie wunderbar typisch für Dich, du Liebe, siehst in allem auch wieder die positive Absicht. Herzlichste Grüsse Andrea

  8. andrea2007 Says:

    Lieber Schaps, bin absolut Deiner Meinung, manche Leute meinen, es wäre intelligenter oder cooler oder was weiss ich, immer mehr englische Begriffe, einzustreuen. Mir geht es so, dass ich vor allem im Winter fast mehr Englisch spreche im Geschäft, als Deutsch und wir uns angewöhnt haben, untereinander so ein „verdeutsches “ Englisch zu reden, so extra wörtlich übersetzt, was natürlich total verkehrt ist, macht aber riesig Spass:-) „don’t make an office up“ heisst z.b. „mach kein büro auf“, was schweizerdeutsch ist und bedeutet, mach kein Theater…:-) alle Klarheiten beseitigt? Liebe Grüsse und hab ein schönes Weekend:-) Andrea

  9. Lilo Says:

    Hallo Andrea, leider werden immer mehr Wörter der englischen Sprache in ganz normalen deutschen Sätzen verwendet. Ich weiß nicht warum, vielleicht – wie Du schon sagtest – weil sie es cooler finden. Noch schlimmer als die Anglizismen finde ich Jugendsprache.. boah ey, voll krass und ey alter käme mir nicht in die Wohnung. Einen schönen Abend, Lilo

  10. gokui Says:

    jede generation, jeden gruppe hat ihre eigene sprache, welche sie untereinander verbindet. leider führt das aber auch dazu, gerade wenn dieser interne sprachkodex extrem ausgeführt ist, daß andere teilnehmer schlicht weg nur noch bahnhof verstehen. eine sehr große quelle für ungereimtheiten und streit.

    da gibt´s doch dieses nette buch: frau – deutsch/ deutsch – frau 😉
    ja das alte thema…
    ach und diese anglizismen: viele haben soviel mit dem neglish zu tun, daß selbst engländer und amis sie nicht verstehen. handy ? what´s this ? we call it a mobil.

    ich sche** drauf. ich bin alt genug um meine eigene sprache zu haben und wenn einer nur noch mist quasselt hilft auch immer diese nette aufforderung: und jetzt bitte nochmal in hoch-/ deutsch !

    see you

  11. Gaba Says:

    Liebe Andrea,
    vielen Dank für diesen sehr amüsanten Beitrag. Über das „Prallkissen“ musste ich wirklich lachen. Ich hätte wohl nicht verstanden, was das sein könnte;-).
    Mit den Anglizismen hab ich meine eigenen Erfahrungen:
    Meine Oma war Amerikanerin…und hat fließend Englisch (aber auch reinstes Bayerisch) bis zu ihrem Lebensende gesprochen. Sie hat es aber keineswegs gemixt…sondern blieb immer in der einen oder anderen Sprache.
    Sehr seltsam war allerdings, dass sie „moderne“ Ausdrücke wie Computer nicht in ihren englischen Wortschatz aufnehmen konnte. Sie sprach das immer wie Kommputter aus ;-). Also selbst meine „nativ-speaker“-Oma hatte Schwierigkeiten mit Anglizismen 😉
    Andererseits geht meine Tochter sich heute nur sehr selten ausruhen…statt dessen geht sie halt chillen.
    Mir soll alles recht sein, solange ich versteh, was gemeint ist 😉
    Ich wünsche Dir ein schönes und „chilliges“ Wochenende,
    let the good times roll!
    Besser und besser,
    Gaba

  12. Sicht-Feld Says:

    Liebe Andrea,
    erstmal ein dickes Dankeschön für Deinen amüsanten und interessanten Post – nein, Artikel! 😉 Ich habe ihn gerne gelesen, und ich finde das Thema sehr spannend.
    Sprachwandel hat es immer gegeben und auch viele Menschen, die sich darüber beklagen. Aufzuhalten ist er dennoch nicht. Auch ich finde, dass die Anglizismen in unserer Sprache Überhand nehmen. Andererseits stimmt es schon, manchmal ergänzen sie unsere Sprache einfach, wo wir kein eigenes Wort haben. Ich finde es gut, dass das in dem Interview zur Sprache kam. Und mal ganz ehrlich: Klingt Airbag nicht einfach besser als Prallkissen?! Haben wir uns nur von Anfang an an das Wort Airbag gewöhnt, oder klingt das Wort Prallkissen nicht wirklich deutsch-korrekt-spießig-doof? „Der neue Superflitzer XY, jetzt serienmäßig mit ABS (deutsches Wort!!!), Beifahrerprallkissen und Klimaanlage (wie lange man das wohl noch sagt…?)“.
    Naja, wie dem auch sei. Man darf gespannt sein, wie die deutsche Sprache so in 30, 40 Jahren klingt. Dann sind vermutlich die deutschen Worte die große Ausnahme. Mein Vater sagt immer: „The language spoken most all over the world: Bad English!“
    I fear he has right! Long will it not more take!
    Everything love,
    Mareike
    😉

  13. Schaps Says:

    Den Officespruch hab ich sogar sofort verstanden 😉

  14. Schonzeit Says:

    Sprachen leben davon, dass sie sich entwickeln. So muss man es leider sehen. Die Deutsche Sprache ist ja nun auch ein Geflecht. Wer das bestreitet soll sich mal anschauen, wie viel wir von den Römern geklaut haben und wie sehr wir das angelsächsische beeinflußten.

    Und mir sind die Anglizismen um einiges lieber als das was zum Beispiel in Frankreich passiert. Da wird für jeden Arschaufgang krampfhaft ein umschreibendes Wort gesucht, was dazu führt, dass die Kiddies sich ne eigene Abkürzungssprache zulegen, die dann auch nciht mehr viel mit der echten Sprache zu tun hat. Klasse Sache. Da verstehen die Generationen sich untereinander auch nicht.

    Ich finde es toll, wenn jemand erkennt, dass Englisch einfach die Sprache ist, die am meisten Möglichkeiten bietet und seine Produkte, die er weltweit vermarkten möchte wirtschaftlich Konkurrenzfähig macht. Das beweist Weitsicht. Konservativismus hat selten Fortschritt mit sich gebracht. 🙂

    Doch weiß auch ich um den Umstand, dass Anglizismen überhand nehmen können.

    Doch auch hier gilt: Wenn Oma Erna schreit, dass sich „der Türke“ an die heimische Kultur anpassen soll, dann erwarte ich das auch von Oma Erna. Quid pro quo

    Gleich hab ich mich so sehr in Rage geschrieben, dass ich nen eigenen Eintrag schreibe. 🙂

  15. mira Says:

    Toller Artikel den du hier geschrieben hast, ich kam gerade ber google auf deinen Blog. Davor kannte ich Ihn noch gar nicht aber in der nchsten Zeit werde ich fters hier vorbei schauen denn den Schreibstiel gefaellt mir richtig gut.

  16. andrea2007 Says:

    Hallo Mira, herzliche willkommen auf meinem Blog und danke für’s Kompliment. Viele Grüsse Andrea

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