Wie geh ich mit negativen Gefühle um?

Vor längerer Zeit hab ich das spannende Buch „Lebe das Leben, von dem Du träumst“ von Barbara Sher gelesen, ein Thema möchte ich hier zitieren:

„Wir alle haben die Angewohnheit, unsere Gefühle vor uns zu verstecken. Quasi automatisch leugnen wir unangenehme Gefühle und versuchen, sie in angenehme zu verwandeln. Doch es fällt uns schwer, dieses Selbsttäuschungsmanöver einzugestehen. […]

Betrachten Sie Ihre Gefühle mit demselben distanzierten Respekt, mit dem Sie ein Gewitter oder eine Ameise beobachten würden. Lassen Sie mich etwas sagen, das Sie überraschen könnte: Ihre Gefühle auf diese Art und Weise einfach nur zu registrieren, wird Ihnen mehr Selbstakzeptanz und Selbstrespekt bescheren, als Sie duch das blosse Aufsagen von Selbstbejahungen wie zum Beispiel: ‚Meine Gefühle sind in Ordnung!‘ oder ‚Ich bin ein guter Mensch!‘ je erreichen können. […]

Gibt es einen Weg, schlechte Gefühle schnell loszuwerden, um sich wieder gut zu fühlen? Es gibt einen Weg, aber es ist nicht der, negative Gefühle zu verdrängen und zu versuchen, sie durch positive Gedanken zu ersetzen. Mit Gefühlen arbeiten heisst, sie zu erleben.

Wenn Sie sich verletzt fühlen, ist Ihnen wahrscheinlich zum Heulen zumute. Wenn Sie Angst vor etwas haben, verspüren Sie Fluchttendenzen. Wenn Sie wütend sind, kann es sein, das Sie einmal ordentlich über die Schlechtigkeit des Lebens wettern müssen. So will es unsere menschliche Natur. Und obwohl wir dazu erzogen wurden, unsere Gefühle in der Öffentlichkeit im Griff zu haben und erst nachzudenken, bevor wir handeln- was übrigens sehr weise ist- bedeutet das nicht, dass wir uns diese Art der Gefühlskontrolle auch in unserem privaten Leben zur Gewohnheit machen sollten.

Mein Rat? Schlucken Sie Ihre negativen Gefühle nicht hinunter, sondern heben sie sie so lange auf, bis Sie alleine sind. Gehen Sie dann an einen Ort, an dem Sie niemand sieht oder hört, und lassen Sie ihnen dort freien Lauf. Schreien Sie, toben  Sie, schütteln Sie die Fäuste udn verfluchen Sie Ihre Feinde. Tun Sie, was immer Ihre Gefühle Ihnen befehlen.

Ja, Sie lesen richtig:[…] Es mag seltsam klingen, aber die wenigen Minuten, in denen Sie einem Gefühl freien Lauf lassen, reduzieren seine Intensität radikal und ermöglichen, dass es auf eine ganz natürliche Weise vergeht. So wie dunkle Wolken sich nach einem ordentlichen Gewitter verziehen.

Unausgedrückte Gefühle sind giftig. Deshalb hat die Natur uns Instrumente an die Hand gegeben, mittels derer wir sie ausdrücken können- um die Gifte loszuwerden, die sich innerlich angesammelt haben.

Ich persönlich glaube, dass das Ausdrücken von negativen Gefühlen der einzige natürliche Weg ist, um ein schlechtes Gefühl in ein gutes zu verwandeln. Lassen Sie also, sobald sie alleine sind, die Fassade fallen und geben Sie der Angst und dem Schmerz und der Wut Gelegenheit, zum Ausdruck zu kommen. Andernfalls tragen Sie diese Gefühle noch Tage, Wochen oder Monate mit sich herum, bis sie sich eines Tages in Situationen einmischen, in denen sie nichts zu suchen haben, und dort Katastrophen verursachen.“

Das klingt für mich sehr plausibel und unglaublich befreiend. Meine Gefühle sind mein Kompass – positiv oder negativ-sie sagen mir, ob ich mich wohlfühle, wo ich hinmöchte und was mir nicht passt. Also sind beide Gefühle – positiv und negativ- sehr wichtig, sie gehören zu mir und sie möchten beachtet und gehört werden. Wichtig dabei ist, dass ich nicht in den negativen Gefühlen hängenbleibe. Aber wenn ich mir diese negativen Gefühle genau anschaue, werden Sie sich auflösen.

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10 Antworten to “Wie geh ich mit negativen Gefühle um?”

  1. Elisabeth Says:

    Einen wunderschönen guten Morgen, liebste Andrea *strahl*
    Von diesem Buch habe ich auch schon viel gelesen – und ich habe heute fest vor, in die Buchhandlung zu gehen, mal sehen, was ich mir da zulegen werde 😉
    Das mit den negativen Gefühlen ist ein spannendes Thema. Ich versuche, negative Gefühle zu integrieren, liebevoll, sie anzunehmen und zu akzeptieren. Früher bin ich in den Wald gegangen und habe laut geschrien und aufgestampft 😉 Das war sehr befreiend, aber ich habe es lange nicht mehr gemacht, weil ich es als kindisch empfand. Ok, das sehe ich jetzt anders – vielleicht sollte ich es wieder tun 😉
    DANKE dir für diese interessanten Zeilen – es geht weiter 🙂
    Allerliebste Sonnengrüße von Elisabeth

  2. Dori Says:

    Liebste Andrea,

    unterdrückte Gefühle machen krank, das ist erwiesen. Wut und Groll, die „heruntergeschluckt“ werden, verursachen Magen- und Darmprobleme, Rückenschmerzen, Knieprobleme, im schlimmsten Fall sogar Krebs.

    Ich kann meine Wut immer sehr gut beim Autofahren herauslassen 🙂 Da kann ich schreien, so viel ich will, ich fühle mich ungehört und unbeobachtet, und das enthemmt mich in diesem Falle.

    Aus dem gleichen Grunde singe ich auch im Auto und nicht in der Badewanne 🙂

    Ich wünsche Dir einen strahlendschönen Tag,

    Dori 🙂

  3. Ulf Runge Says:

    Liebe Andrea,

    ich bin gerade auf dem „Schlechte Gedanken durch gute ersetzen“ Trip.
    Und versuche das mit dem Ratschlag, seine schlechten Gefühle – alleine, unbeobachtet – herauszuschleudern, unter einen Hut zu bringen.

    Statt mich verletzen zu lassen, versuche ich zu verstehen, dass mein Gegenüber vielleicht im Augenblick nicht anders kann. Das ist glaube ich, keine Unterdrückung von Gefühlen, sondern „nur“ ein Vermeiden.

    Und wenn ich’s dann noch mal nicht vermeiden kann, dann befolg ich mal den Rat, den Barbara Sher uns gibt.

    So, glaube ich, kriege ich die Kurve.

    Danke für Deinen anregenden Beitrag.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  4. bonafilia Says:

    oh das tut gut zu lesen..ich hatte das Buch auch schon in der Hand, hmmm

    Als Kinder sind wir es doch gewöhnt gewesen unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen, Kinder weinen wenn sie traurig sind, boxen wenn sie sauer sind, lachen wenn sie glücklich sind..ihre Gefühle sind das Leben pur!
    Und was machen wir Erwachsenen? Wir erziehen unsere Kinder! Zum Teil dazu ihre Gefühle nicht zu zeigen, sich zu beherrschen……um dann ihnen als Erwachsenen zu sagen ihr müsst eure Gefühle leben, das befreit! Ist irgendwie krank!

    Ich lebe meine Gefühle aus, in der Familie zu mindest, und meinen Kindern erlaube ich es ebenso. Was raus muss soll raus, Wut, Glück und Hass!
    Meine überschüssige Energie werde ich beim Spinning los, da kann ich mich bei fetziger Musik abreagieren und das eine oder andere Mal schreie ich im Auto. Und Glück…das teilt sich ganz allein, denn ich strahle dann und erzähle es jedem das ich glücklich bin.
    …..man sieht es mir auch immer an. –>Miese Laune , gute Laune….

    LG Grüße Bonafilia

    Ps:Laune momentan….zum verstecken!

  5. andrea2007 Says:

    Liebste Elisabeth, das Buch ist wirklich zu empfehlen, bei den „Tipps“ von B. Sher muss man sich nicht „verbiegen“, das gefällt mir. Und sie ist auch „schuld“, dass ich schreibe; mein Kindheitstraum, zu schreiben, kam durch ein Buch von ihr wieder zum Vorschein:-)
    Und ich seh Dich grad vor mir, im Wald auf den Boden stampfend wie Rumpelstilzchen und Rauch über dem Kopf und dann völlig vergnügt wieder in die Zivilisation einziehend:-) Ein tolles Bild, ein befreiendes Bild, Du Liebe. ♥ -lichste Grüsse Andrea

  6. andrea2007 Says:

    Liebste Dori, ja ständig unterdrückte Gefühle machen krank, da klingt einige Eigenerfahrung aus Deinen Worten…

    Und jetzt seh ich DICH grad im Auto vor mir, am gestikulieren und schimpfen und Deine Wut rauslassen und die Autofahrer neben Dir mit einem leicht verständnislosen Blick… und dann steigst Du aus, total gelassen, als wenn nichts gewesen wäre… herrlich… Auch sehr befreiend dieses Bild. ♥ -lichste Grüsse Andrea

  7. andrea2007 Says:

    Lieber Ulf, das eine schliesst das andere nicht aus. Zumal Du von Gedanken und ich von Gefühlen schreibe…. Wenn man gute Gedanken hat, kommen auch weniger schlechte Gefühle, das ist klar!

    Grundsätzlich ist es auchwunderbar, schlechte Gefühle durch gute zu ersetzen, wenn das ehrlich klappt. Doch wenn es dann dazu führt, dass man beim kleinsten Anzeichen von „schlechter Laune“ alles unterdrückt und eifrig versucht, „positiv zu denken“, dann wird das auf Dauer nach hinten losgehen.
    Lange Zeit hab ich mich „erschrocken“, wenn ich negative Gefühle hatte und sofort versucht, sie „umzudrehen“. und dann irgendwann fühlte ich mich damit nicht mehr wohl. Die Worte von Frau Sher haben mir dann sehr geholfen.
    Ich DARF auch mal schlechte Laune haben, ich DARF mich ärgern oder wütend sein. (Genauso wie ich mal einen Menschen NICHT mögen DARF). Wichtig ist halt dabei, dass ich hinschaue, WARUM ich diese negativen Gefühle hab und dass ich nicht in der negativen Laune verharre…
    Immer die „richtigen“ Gedanken und Gefühle für Dich, liebe Grüsse Andrea

  8. andrea2007 Says:

    Liebe Bonafilia, „das tut gut zu lesen“… DAS war auch meine erste Reaktion, als ich das las. Du hast recht, Kinder leben ihre Emotionen aus und so dauern auch die Wutanfälle und Launen gar nicht mehr lange und sind schnell wieder vergessen. Klingt doch total „gesund“…

    Ja, der Tipp mit dem Abreagieren beim Sport, der ist auch Gold wert, ich hab früher regelmässig Squash gespielt und die Bälle, bei denen ich mir den Kopf meines strengen Chefs vorgestellt habe, sind mir immer am besten gelungen:-)

    Dir wünsche ich ganz viel Sonnenschein und bald wieder gute Laune, ♥ -lichste Grüsse Andrea

  9. Mamü Says:

    Liebe Andrea,

    das Buch habe ich auch. 😀 Leider habe ich irgendwann mittendrin aufgehört. Aber nicht, weil es nicht gut ist, sondern, weil ich dazu neige, mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen. Immer wenn ich dann auf ein Buch stoße, dass ich interessant finde… ach, das ist eine andere Geschichte. *seufz* Ich sage nur eins: Buchsucht.

    Ich erinnere mich jetzt gar nicht, ob ich das Kapitel gelesen habe. Hmmm… habe schon lange nicht mehr weitergelesen, in dem Buch. Aber die negativen Gefühle rauslassen… ja, ich kann bestätigen, dass das guttut. In dem Moment wohl nicht immer, kommt halt drauf an, um was es geht, aber hinterher. Also, ich sage dazu nur Feld, Feld, Feld. Auf dem Land zu wohnen, kann auch ein Vorteil sein. Es ist nicht schwer, alleine zu sein, wenn man will. 😀

    Was das positive Denken betrifft, das Ulf anspricht… also bei mir hat es mal funktioniert. Mir ging es damit wunderbar. Bis das Leben mir ein wenig zu viel zumutete. Es gibt Dinge, die kann man nicht positiv sehen. Ich glaube aber, dass positives Denken auch nicht so gemeint ist, das schlechte Dinge in positive Dinge umgewandelt werden sollen. Schlecht ist schlecht. Es geht vielleicht eher darum, den Blick auf die positiven Dinge, die da sind zu richten, statt immer nur darauf zu lauern, was denn negativ sein könnte. Treffsicher finden wir nämlich oft an allem das Negative, doch das Positive, das da ist, wird übersehen. 😉

    Liebe Grüße und tob dich ruhig aus, wenn es dir schlecht geht, das befreit, 😉
    Martina

  10. andrea2007 Says:

    Liebe Martina, ich habe festgestellt, dass ich bei „solchen“ Büchern auch manchmal irgenwann aufhöre und mittlerweile seh ich das so, dass ich DAS, was ich aus dem Buch erfahren sollte, dann bereits gelesen habe…

    Du läufst ja mit Deinem Hund immer über Stock und Stein, da kannst Du sicher auch mal so richtig „deubelen“ (teufeln)… Tut bestimmt mal gut…

    Das mit dem positven Denken hast Du sehr schön formuliert, genauso seh ich das auch. Das Schlechte ist schlecht, ich muss aber nicht meine Aufmerksamkeit drauf lenken. Denn in (fast) allem kann man auch etwas Positives entdecken. Und DARAUF lenk ich meine Aufmerksamkeit, das macht viel mehr Spass!

    Mir geht es im Moment supergut, sodass ich meinen eigenen Tipp nicht brauche, aber schon manchmal in kleinen Situationen mit Kunden gehe ich mal schnell in die Küche, schimpf mich aus und sofort gehts mir besser:-)

    Liebe Grüsse Andrea

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