Loslassen

L o s l a s s e n… Das Wort begegnet mir zur Zeit überall.  „Man muss loslassen können.“ Loslassen, damit Platz für Neues entsteht. Loslassen, um Luft zum Atmen zu geben. Loslassen, um die Hände frei zu haben, etwas Neues zu umarmen. Loslassen, um Veränderung zu begrüssen.

All diese Ideen find ich toll, das Wort „Loslassen“ selber  jedoch macht mir immer ein komisches Gefühl im Bauch und ich hab viel darüber nachgedacht, warum das so ist. Dabei kam etwas ganz einfaches heraus:  dass das Wort ist für mich negativ belastet .

Denke ich an  Loslassen, denke ich gleichzeitig an Gleichgültigkeit. Ich lasse etwas los- es interessiert mich nicht mehr. Es bedeutet mir nicht mehr so viel. Ich lasse etwas los, weil es vorbei ist. Ich lasse los, weil es egal ist, ob ich es „habe“ oder ncht. Loslassen ist abwertend. Als wenn ich alles in meinem Leben aufgeben müsste, dabei gibt es doch so vieles Schönes, dass es Wert ist, zu bleiben.

Die Grenze zwischen jemand-loslassen und gleichgültig-gegenüber-jemandem-sein ist dermassen sensibel und fliessend für mich, dass ich bei dem Wort Bauchweh krieg und es ist nicht schwer zu verstehen, warum das so ist: Ich habe es jahrlang zu spüren bekommen, dieses Gefühl…

Ich ersetze das Wort bei mir jetzt offiziell durch „Hab Vertrauen.“ Wenn ich diese  Worte in mir wirken lasse, fühle ich mich grossartig und muss nichts mehr festhalten. Festhalten hat auch etwas mit Kontrolle zu tun. Wenn ich vertraue, muss ich nichts mehr kontrollieren. Ich bin immer am richtigen Ort, ich treffe immer die richtigen Menschen. Mit diesem Gefühl im Bauch ist alles möglich.

Und damit ich diesen „neuen Glaubensatz“ auch leben und erleben darf, hat das Universum mir grad eine tolle Bestellung geliefert 🙂 Eine Situation, in der ich Vertrauen haben kann, in der ich Vertrauen haben üben kann, in der ich tiefstes Vertrauen habe. Seitdem hat übrigens auch das Wort „Loslassen“ ein wenig seinen „Schrecken“ verloren…

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12 Antworten to “Loslassen”

  1. Elisabeth Says:

    Hm, ich versteh dich gut, was du meinst, liebste Andrea…
    Loslassen bedeutet ja auch, Sicherheit aufzugeben. Es kommt allerdings immer darauf an, in welchem Kontext „Loslassen“ verwendet wird.
    Für mich drückt dein Bild das Loslassen superschön aus: Die Arme in die Luft werfen, allen Ballast abwerfen, einfach loslassen und die Freiheit spüren, genau, und die Arme wieder frei haben für all das Neue, das kommt. „Hab Vertrauen“ ist eine schöne Affirmation, aber auch „Glaub an dich“ – für mich bedeutet Loslassen die Kontrolle aufgeben, vertrauen darauf, dass alles so kommt, wie es gut ist. Alles IST gut 🙂
    Eine herz-liche Umarmung von Elisabeth

  2. Mamü Says:

    Liebe Andrea,

    ein super Beitrag. Ich danke dir sehr für diese Gedanken. Denn Loslassen verursacht mir auch Bauchschmerzen. Natürlich weiß ich auch, dass ich etwas Loslassen muss (da ist auch schon wieder ein MUSS, das mir auch nicht gefällt), um etwas anderes, neues greifen zu können usw usf.

    Auf die Idee, dass Loslassen bei mir ähnlich negativ behaftet sein könnte, wie bei dir, bin ich noch gar nicht gekommen. Doch es ist so. Ich verbinde es einerseits auch, so wie du, mit gleichgültig sein (ja, diese fließende Grenze) und andererseits mit etwas verlieren. Und ich mag beides nicht. Ich habe schon so viel verloren, zumindest kommt es mir so vor. Da möchte ich doch lieber das, was noch da ist, festhalten.

    Überall hört man „Du musst Loslassen“, so dass sich in mir manchmal auch ein wenig Trotz regt. Warum muss ich das? Ich will aber gar nicht. Bin nicht bereit dazu. Und je mehr ich damit bombardiert werde, desto mehr Widerstand regt sich. *seufz* Obwohl ich weiß, dass Loslassen in manchen Situationen das einzig Richtige ist.
    Aber muss man nicht manchmal auch etwas festhalten? Nicht zu früh aufgeben? Um etwas kämpfen? Manchmal? Ist Loslassen IMMER der richtige Weg? Das will mir nicht in den Kopf. Stelle mir gerade jemanden vor, der am Abgrund hängt… Der ist doch froh festgehalten zu werden. 😉 Okay, das ist damit nicht gemeint. Trotzdem.

    Mir gefällt jedenfalls dein Gedanke, „Loslassen“ mit „Hab Vertrauen“ zu ersetzen. Auch wenn mir das in den letzten Jahren abhanden gekommen ist, so lässt sich das doch wieder lernen. Es hört sich für mich positiv an. 😀 Und noch ein Wort fällt mir dazu ein: Gelassenheit. Gelassenheit wäre manchmal auch hilfreich.

    Ich wünsche dir einen vertrauensvollen Tag mit ein wenig Gelassenheit.
    Liebe Grüße,
    Martina

  3. Schaps Says:

    Uh, da haben wir was gemeinsam…ich mochte das Wort auch noch nie.

  4. Alex Says:

    Hoi Andrea,

    beim Lesen dieses Beitrags wurde mir schnell bewusst, in welchem Zusammenhang ich mich mit dem Begriff Loslassen auseinandersetzen.
    Es tönt jetzt zwar sehr düster, aber das Loslassen ist bei mir sehr eng mit dem Tod verbunden. Es geht nicht darum jemanden zu vergessen. Es geht darum, dass das Unterbewusstsein den Schmerz loslassen kann. Solange ich den Schmerz nicht loslassen kann, hat er mich immer wieder heimgesucht. Und erst als ich wirklich loslassen konnte, habe ich meinen inneren Frieden wieder gefunden.

    Alex

  5. Basti Says:

    Ich find loslassen grossartig!
    Das hat sowas befreiendes!

  6. Dori Says:

    Liebste Andrea,

    ich finde, das Wort LOS-lassen ist ein Modewort geworden. Alle Leute sagen: Du musst loslassen. Jedoch sagt Dir niemand, wie man loslässt. Du hast das sehr schön beschrieben und Vertrauen in eine Situation haben ist mit Sicherheit positiver formuliert als „Du musst loslassen“.

    Noch schöner für mich ist, so viel Vertrauen in MICH SELBST zu haben und zu sehen: hier stehe ich. Das bin ich. Und ich komme nun an den Punkt, wo ich die Menschen, die mich nicht so lieben wie ich mich selbst liebe, loslasse. Für mich bedeutet das, mich aus der Situation zu verabschieden und mich mit Dingen und Menschen zu umgeben, die mir gut tun. Die mich SEIN lassen.

    Sonnige Grüße

    Dori 🙂

  7. zentao Says:

    Liebe Andrea
    Wie immer sind so verschiedene Ansichten, eine Sache des Blickwinkels, ich selber habe andere Erfahrungen mit loslassen. Folgend ein kurzer Auszug aus loslassen, einem Text von mir.

    Wenn man loslassen analysiert und das Wort auseinander nimmt, dann stellt man fest, das kommt von los und lassen, sich lösen, sich von etwas lösen, etwas auflösen. Es kommt aber auch von lassen , etwas lassen, sein lassen. gehen lassen. Wenn man den Gedanken weiter verfolgt, merkt man bald, loslassen ist das Gegenteil von festhalten. Wenn man einen Gegenstand lange Zeit festhält, schmerzen einem die Finger. Festhalten tut weh! Festhalten braucht viel Energie. Wenn ich festhalten muss bin ich nicht mehr beweglich. Festhalten hat auch etwas mit Egoismus zu tun, das gehört mir allein. Das gebe ich nicht mehr her. Ich verteidige meinen Besitz.
    Überlege dir einmal, ob es manchmal doch besser ist wenn wir etwas loslassen können. Vielleicht, gerade weil Du etwas loslassen kannst, hast Du wieder Vertrauen zu Dir selber, loslassen kann auch befreien.Du kannst Vertrauen haben und trotzdem loslassen. Es kommt immer wieder auf den Blickwinkel an.
    Ich wünsche Dir morgen ein Tag voller Vertrauen.
    zentao

  8. manu Says:

    Liebe Andrea,
    ich finde Elisabeth hat es genau getroffen. Alles was wir nicht kontrollieren können, weil wir andere menschen nicht kontrollieren können(manche versuchen es -gelingt aber nicht)sollten wir l o s l a s s e n.
    Das Buch “ Kraft zum Loslassen“ Beattie Melody hat mir sehr geholfen.
    Lass die Situation oder den Menschen in Frieden ziehen und segne den , der dich geärgert hat.Es funktioniert. So geht L o s l a s s e n.
    lieben Gruß an mein Schwesterherz

  9. bonafilia Says:

    Loslassen…..gehen lassen….ein Stück der Kontrolle über Einen oder Etwas aufgeben.
    Halte ich etwas fest, besitze ich eine gewisse Macht über den Gegenstand, lasse ich einen Menschen los , gebe ihn demjenigen Freiraum sich selbst zu bewegen. Kleine Kinder müssen lernen ohne die Hand der Mutter zu gehen…loslassen…den Papierflieger loslassen….von alten verstaubten Prinzipien loslassen. Alles bedeutet ein Stück weit etwas her geben.
    Loslassen kann befreien….und das was uns liebt , was wir lieben müssen wir loslassen damit sie wieder kommen. Freiräume schaffen Vertrauen und Nähe.
    Loslassen bedeutet aber auch etwas zu bekommen–>WAS?…..das kann man vorher nie sagen…..aber loslassen befreit und macht die Arme weit für NEUE Dinge.
    LG ♥ -liche Grüße Bonafilia

  10. Sicht-Feld Says:

    Liebe Andrea,
    für mich ist das Wort loslassen nicht so negativ behaftet wie für Dich, im Sinne von gleichgültig sein. Für mich hat loslassen etwas sehr Aktives, Bewusstes. Gerade seit ich Mutter bin, erfahre ich jeden Tag aufs Neue, was Loslassen bedeutet, und ich ahne nur, wie sehr ich meinen kleinen Schatz noch loslassen muss. Aber Du hast Recht, es kann mit Vertrauen Haben gleichgesetzt werden und wird dann auch viel leichter. Wenn ich jemandem vertraue, dann kann ich ihm viel eher die Flügel geben, die er für die Welt da draußen braucht, und ihn (bzw. im Falle meiner Tochter sie) losfliegen lassen.
    Was für eine schöne und gleichzeitig melancholische Überlegung…
    Liebe Grüße,
    Mareike

  11. zauberliebe Says:

    Guten Morgen, meine liebe Andrea!

    Ein toller Anschubser – da möchte ich doch direkt mal in mich fühlen, was das Wort „loslassen“ in mir so auslöst …

    Kontrollverlust -> leichte Panik … weggeben, was mir mal wichtig war -> Melancholie … meinen Sohn eigene Wege gehen lassen, auch wenn sie von mir wegführen -> ui, Herzschmerz …

    Wenn ich mir jedes Einzelne genauer vor Augen führe und dann nochmal ganz tief fühle, dann kommt etwas Neues … was hinter den ersten – eher negativen – Gefühlen versteckt war: VERTRAUEN.
    Auch wenn ich nicht kontrolliere – es geht gut!
    Auch wenn ich weggebe – es kommt Neues!
    Auch wenn mein Sohn eigene Wege geht – wenn es ihm damit gut geht, geht es auch mir gut!

    Immer wieder lohnenswert, „hinter die Kulisse“ zu schauen 🙂

    Liebe Grüße, Ulrike

  12. Herzlichen Glückwunsch, der 100.000ste Besucher… « Leben und Lieben in St. Moritz Says:

    […] Loslassen […]

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