Alles was mich trifft – betrifft mich

Es heisst , dass die Menschen, mit denen man zu tun hat, einen selber spiegeln. Also die Eigenschaften des anderen, die mich stören, sind die Eigenschaften, die mich eigentlich an mir selber stören. Der andere „spiegelt“ mich.

Diese Aussage hat für mich irgendwie nie so richtig gepasst, ich wehrte mich dagegen, so schwarz-weiss zu denken und ich fand mich da oft einfach nicht wieder. Da flatterte mir letzte Woche so ein Heftchen ins Haus, in dem ein Kurs für die „Spiegelgesetz-Methode“ angeboten wurde. (der Link zum Buch dazu hier)  Ich las mit Spannung folgende Beschreibung:

Alles was wir im Aussen wahrnehmen, steht in einem direkten Bezug zu unserem Inneren- es ist ein Spiegel unseres Wesens, ein Spiegel unserer tiefsten Überzeugungen und meist unbewussten Gedanken, Situationen, Menschen, „Zufäll“ etc, die Emtionene wie z.B. Ärger, Angst, Zorn, Frustration in uns auslösen, spiegeln Eigenschaften von uns selbst.

Das soll jetzt aber nicht heissen, dass wir genauso sind wie unser Gegenüber. Nein, ganz im Gegenteil. Wir sind eben nicht so wie unser Gegenüber. Und genau hier fängt es an, interessant zu werden. Warum nervt es so ungemein, wenn jemand zu spät kommt? Warum kann man nicht mit ansehen, wenn jemand ruhig und gelassen ist, aber man selbst nicht weiss, wo einem der Kopf steht? Wofür steht das Zu-Spät-Kommen, wofür die Gelassenheit, wenn wir uns darüber ärgern?

Diese Wesenszüge unseres Gegenübers spiegeln uns etwas. Sie spiegeln uns Eigenschaften, die wir uns niemals zutrauen würden, die für uns schlecht sind, ungezogen, verachtend. Aber warum stören uns nur einige dieser „schlechten Angewohnheiten“? Es gibt zahlreiche „schlechte Situationen“, bei denen wir ruhig bleiben, die für uns kein Problem darstellen. Warum stören uns nur diese paar gewissen Punkt?  [ DAS hab ich mich schon oft gefragt, wenn ich mich über gewisse schlechte Angewohnheiten von Menschen/Kunden ärgere und über andere einfach nur lachen kann.]

Alles was mich trifft – betrifft mich!

Unsere negativen Glaubenssätze, Ängste, Erfahrungen, „Lebensweisheiten“ und Schmerzen manifestieren sich im Aussen- sie werden Realität… und sie werden uns von unserer Umwelt gespiegelt- jeden Tag aufs Neue. Eigentlich sollten wir diesen Spiegeln nicht böse sein, denn sie zeigen uns ganz genau auf, was wir in uns loswerden dürfen, welche schlechten Erfahrungen, welchen alten Glaubenssatz wir löschen dürfen.“

Also heisst das für mich, wenn mich etwas an meinem Gegenüber stört, ist es nicht unbedingt eine Eigenschaft, die ich selber habe, sondern es hat etwas mit meinen Glaubensmustern, meiner Erziehung und meinen Erfahrungen zu tun. DAS hört sich für mich richtig an.

Ich werde ab jetzt einfach ganz genau hinschauen, wenn mich etwas stört an meinem Gegenüber, und versuchen, „dahinter“ zu schauen. Eines hab ich blitzartig kapiert: Ich ärgere mich über schlechtes oder unhöfliches Benehmen, weil ICH dazu erzogen wurde, höflich zu sein und mich anständig zu benehmen,   „danke“ und „bitte“ und „Guten Tag“ zu sagen. „Das macht man so…“ oder „Das gehört sich nicht für ein Mädchen“ „Funktioniere…“, „Sei ein braves Mädchen…“ „Aus Dir muss mal was werden…“ usw usw. Das hat mich immens geprägt, vor allem weil es von meinem Vater kam, dem  zu der Zeit wichtigsten Menschen in meinem Leben und er es sicher gut mit mir meinte.

Ich werde dieses „gute Benehmen“ jetzt sicher nicht „auflösen“ oder damit aufhören, aber doch ein wenig lockerer zu nehmen versuchen und vor allem, zu hinterfragen, ob das im Einzelfall jetzt und heute für mich noch so passt; ist es jetzt und hier meine wirkliche Überzeugung oder ist es das nur, weil ich es eben so gelernt habe.  

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19 Antworten to “Alles was mich trifft – betrifft mich”

  1. Elisabeth Says:

    Jaja, du bist schon mitten drin, du liebste Andrea, du! 🙂
    Deine Ausbildung wird dich weiter in diese Richtung führen, so wie sie auch mich immer tiefer in diese Materie eingeführt hat. Warum stört mich das Verhalten meines Gegenübers? Was hat das mit meinen Glaubenssätzen zu tun? Was mit meinen Werten? Welche Werte werden angesprochen, welche werden verletzt? Was hat das mit mir zu tun? Mehr als ich dachte auf jeden Fall… Und ich bin dankbar dafür, dadurch über mich selbst so viel lernen zu können…
    Ich wünsche dir eine wunderschöne Reise – sie hat soeben begonnen 🙂
    Eine herz-liche Umarmung von Elisabeth

  2. Schaps Says:

    Ah! Jetzt beim nochmal darüber Nachdenken hab ichs geschnallt! Erst dachte ich dass dein Beitrag sich im Kreis bewegt…aber jetzt bin ich wissend ^^
    Recht interessante Gedanken, muss ich sagen. Bin jetzt gerade stark ma Überlegen welche Unarten mir selbst relativ egal sind…Undordnung zum Beispiel…oder zu schnell und über rote Ampeln fahren vll…echt interessant! Muss jetzt die ganze Zeit darüber nachdenken 😉

  3. Christian Says:

    Die Phase habe ich hinter mir… inzwischen Analysiere ich, wie ich meine Unarten finanziell möglichst ohne Altlasten hinterlassend hinter mir lassen kann. 😉

    Man könnte auch sagen, Du analysierst Dein Erbe, oder nicht?

    Gruss
    Christian

  4. zentao Says:

    Wenn ich den Anderen, so akzeptieren kann, so wie er nun einmal ist, dann spiegelt er sich nicht, in mir. Habe ich aber Probleme mit ihm, aus welchen Gründen, auch immer, heisst das doch das ich ihn/sie nicht akzeptiere so wie sie/er nun mal ist, genau jetzt spiegelt er sich in mir. Es sind wie Du schreibst, keine Eigenschaften von uns, es ist ganz einfach unser nicht akzeptieren dea Gegenüber.
    Liebe Grüsse zentao

  5. Ulf Runge Says:

    Liebe Andrea,
    ein bärenstarker Artikel von Dir, wieder einmal.
    Zugucken und es besser wissen,
    das ist wahnsinnig schwierig.
    Brauchen wir die Dunkelheit,
    um den Wert des Lichtes zu erkennen?
    Ich glaube, die Andersartigkeit der Anderen
    ist eine notwendige Prüfung für uns.
    Ein ständige Überprüfung,
    ob das, was wir für richtig halten,
    weil anerzogen,
    auch heutzutage noch vertreten können,
    weil wir argumentativ dahinter stehen.

    Immer wieder eine Bereicherung, hier bei Dir vorbeizuschauen!

    Liebe Grüße,
    Ulf

  6. Alex Says:

    Morgen Andrea,

    seit ich Deinen Artikel gelesen habe, bin ich stehtig am grübeln über Situationen, bei denen ich mich über das Verhalten anderer aufgeregt habe. Ein sehr interessanter Anstoss sich mal über die Situation „warum ärgere ich mich darüber“ nachzudenken. Ich kann mir vorstellen, das ich da in mir einige interessante Muster finden werde, mit denen ich mich auseinander setzen muss. Danke Andrea, für diesen interessanten, und auch wichtigen Denkanstoss.

    Sonnige Grüsse aus dem Unterland.

  7. bonafilia Says:

    Da ist sie wieder…meine fehlende Gelassenheit.

    Dein Artikel bringt es auf den Punkt, nicht ich bin der Punkt sondern die Art und Weise wie ich mit den Anderen lebe. Rege ich mich immer nur auf über die Anderen, geht es in erster Linie mir schlecht, sicher leidet mein Umfeld durch meine schlechte Laune. Doch nur ich darf mich erkennen in dem Spiegel und darf die Gelassenheit lernen, auch einmal Zwänge ablegen…..sei auch mal bewußt unpünktlich, für mich kaum vorstellbar, sei auch mal egoistisch, sei auch einmal kindisch verspielt, dazu müssen wir alle ja nicht unser ICH aufgeben, nur etwas lockern. Und das sehen wir in den Augen der Andren weil wir es bei ihnen erkennen das unsere geheimen Wünsche aus unseren Strukturen auszureißen auch mal gut sind…..ich sag ja immer ….Gelassenheit….ich arbeite daran und du, liebe Andrea , wie ich sehe auch…

    ♥ -lich Bonafilia

  8. Schonzeit Says:

    Ich weigere mich momentan mich mit dem Artikel auseinanderzusetzen. Wobei das ja eigentlich auch schon eine Auseinandersetzung ist.

    Na danke.

  9. Schaps Says:

    Ganz schön frech! 😉

  10. Daniela Says:

    Gefällt mir gut, regt zum Nachdenken an.
    Ich denke aber, dass ich mich in den letzten Jahren schon im positiven Sinne weiterentwickelt habe.
    Inzwischen reagiere ich fast nur auf Dinge, die mich wirklich ärgern, nicht über das, worüber ich mich wohl eigentlich ärgern SOLLTE.
    Andersherum ärgere ich mich auch weiterhin, auch wenn ich da nach gesellschaftlichen Grundlagen gelassener sein sollte.
    Ich suche mir aus, wovon ich mich provozieren lasse, das wird täglich besser.

    Sollte mich auch nicht mehr so viel über mich selbst ärgern, denn da bin ich unerbittlicher als bei anderen Menschen.

    Bin noch lange nicht fertig, aber auf einem guten Weg. Danke für Deinen Artikel, wollte mich längst mal wieder damit beschäftigen.

  11. Mamü Says:

    Liebe Andrea,

    das ist ein wirklich interessantes Thema. Damit setze ich mich auch manchmal auseinander. Mir war es bekannt, dass das Störende am anderen nicht etwas sein muss, was ich selbst an mir habe, sondern vielleicht sogar etwas, was ich gerne hätte oder könnte, aber mich nicht traue. Oder eben, wie du schreibst, dem widerspricht, was wir an Glaubenssätzen in uns haben. Und das regt uns auf, halten wir uns doch strikt daran, auch wenn uns nicht immer danach ist. Wie kann ein anderer dann so unverschämt sein. 😀 😉

    In meiner Kindheit habe ich öfter so Sätze gehört, wie „Wenn Erwachsene sich unterhalten, haben Kinder den Mund zu halten.“ Oder „Der Wille steckt im Besenstil.“, was nichts anderes heißt, als dass man nichts zu wollen hat.“ Solche „Glaubenssätze“ prägen sich ein, ob man will oder nicht und machen einem das Leben schwer. Natürlich war ich auch immer ein „liebes Kind“. *seufz*

    Dein letzter Absatz gefällt mir besonders. Im Einzelfall zu überprüfen, ob es wirklich auch heute noch unsere Überzeugung ist oder ob es einfach nur so in uns drinsteckt, weil es „erlernt“ ist.

    Liebe Grüße,
    Martina

  12. andrea2007 Says:

    Ihr Lieben, ich freue mich, dass ich Euch einen Gedankenanstoss geben konnte. Mir selber hat es wieder einmal Klarheit beim Aufschreiben gegeben. Und ich finde es schön, dass einige von Euch dieselben Erfahrungen machen und gemacht haben. Von Herzen lieben Dank für Eure Meinungen, Erfahrungen und Gedanken. Und da hier JEDER recht hat, antworte ich einmal NICHT auf jeden einzelnen Kommentar, sondern lasse Eure Worte einfach mal so stehen…

  13. Tino Schwarze Says:

    Die Spiegelarbeit ist mir letztens auch verstärkt über den Weg gelaufen. Die Essenz davon ist für mich, dass es in mir innere Verbote gibt (z.B. sich unflätig zu benehmen) und dadurch bin ich weniger frei.

    Entdecke ich diese Verbote (=Glaubenssätze) und werden mir diese bewusst, so kann ich sie auflösen und werde freier. Das bedeutet nicht, dass ich das, was ich mir vorher verboten habe, dann auch leben muss. Es bedeutet, dass ich es dann kann, mich nicht mehr als schlechterer Mensch fühlen muss und andere nicht mehr für schlechtere Menschen halte, die dieses Verhalten zeigen.

    Sich die Spiegel bewusst zu machen lohnt sich ungemein! 🙂

    Danke für die Erinnerung,

    Tino.

  14. andrea2007 Says:

    Lieber Tino,

    ich finde diese bewusste „Spiegelarbeit “ sehr wichtig und etwas ganz Grossartiges. Genau der Aspekt, den Du beschreibst, der ist äusserst befreiend. Ich kann alles tun, was ich möchte, ich muss es jedoch nicht tun. Es ist überhaupt sehr „lohnend“, seine Glaubenssätze ab und zu mal zu durchleuchten, zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern.

    Danke für Deinen Kommentar! Liebe Grüsse Andrea

  15. zauberliebe Says:

    Hallo liebe Andrea,

    ich bin auch mal wieder zu Gast bei Dir 🙂

    Und finde natürlich – erwartungsgemäß!!! 🙂 – wunderbare Artikel, was für ein Spaß diese nun zu später Stunde noch zu lesen!

    Dieses „Spiegelthema“ – was hab ich mich in den letzten 13 Jahren damit „herumgeschlagen“ *lach*. Bis ich an den Punkt gekommen bin, wo ich für mich erkannt habe: wir sind alle eins! Wir sind alle sowohl-als auch. Und wenn mich was am Anderen nervt, dann ist das etwas, was ICH für MICH noch nicht angenommen habe … etwas, wo mein Ego meint, das darf nicht sein / gehört sich nicht etc.
    Bei manchen Themen ist das ganz schön schwer … vor allem, wenn eigene wunde Punkte getroffen sind.

    Das Positive: es ist aus meiner Sicht ein schneller Weg zur Selbsterkenntnis 🙂

    Gute-Nacht-Grüße, Ulrike

  16. andrea2007 Says:

    Liebe Zauberliebe, schön dass Du hier bist! Ich denke, dass wir alle uns mit diesem Thema auseinandersetzen, bewusst oder unbewusst. Und es stimmt, es ist nicht immer leicht, sich gewisse Dinge einzugestehen, geschweige denn sie aufzulösen und zu ändern. Aber wir bleiben dran! 🙂
    Guten-Morgen-Grüsse Andrea

  17. Josephine Says:

    Liebe Andrea, ich stehe der „Spiegelgesetz-Methode“ oft skeptisch gegenüber, da sie im ersten Moment den Eindruck vermittelt, als sei jeder Ärger über den anderen immerzu in den eigenen Vorurteilen, Konzepten und Glaubenssätzen begründet. Es kann nämlich meiner Meinung nach auch an unerfüllten Bedürfnissen (z. Bsp. nach Verständnis und Empathie) liegen.
    Um fundamentale Bedürfnisse zu erfüllen, bin ich immer auf ein Miteinander angewiesen, z. Bsp. mit einem Gesprächspartner. Und wenn dies nicht gegeben ist, kann mich das schon traurig machen oder ärgern.
    Aber erst einmal zwischen seinen Glaubenssätzen, Strategien und Wünschen und wirklichen Bedürfnissen zu unterscheiden, ist eine Übung für sich, die ich noch nicht richtig beherrsche. Und natürlich muss ich zuerst mal bei mir nachschauen, welches Bedürfnis da gerade zu kurz kommt. Die Notwendigkeit der Selbstprüfung bleibt, ergänzt sich aber um ein Unterscheidungskriterium: „Bedürfnisse“. Dann ist es für mich stimmig.
    Ärger über ein unerfülltes Bedürfnis kann dann umgewandelt werden, in eine ehrliche Bitte und diese darf auch an den anderen herangetragen werden – ohne Anrecht darauf, erfüllt zu werden, natürlich. Das wollte ich nur aus meiner aus der gewaltfreien Kommunikation gewonnenen Sicht ergänzen.
    Herzliche Grüße
    Herzgeist / Josephine

  18. andrea2007 Says:

    Liebe Josephine, danke für die interessante Ergänzung zum Thema. Es ist auf jeden Fall ein spanenendes Thema und eines, das einen weiterbringt. Liebe Grüsse Andrea

  19. rotegraefin Says:

    Ja Josephine,
    so geht es mir auch. Es sind oft die Bedürfnisse, die aus irgendwelchen Gründen schon so früh zurück gedrängt wurden und im späteren Leben als Verbote auftauchen.
    Bei mir war es das Bedürfnis überhaupt da sein zu dürfen.

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