Burnout- Meine Gedanken dazu

Es scheint, als sei der Silvaplana-See und das Surfcenter gut für’s Gemüt. Hier laufen die Uhren langsamer, die Natur und der (Maloja)Wind bestimmen den Tagesablauf, man kann Sport treiben, ist viel an der frischen Luft und Toni versorgt alle mit gutem Essen. Hier kann man gesund werden.

Was ist das in unserer heutigen Zeit, dass sogar junge gesunde Leute dem Druck nicht mehr Stand halten können. Was ist das für eine Gesellschaft, in der die Menschen sich kaputt schuften- kaputt schuften müssen. Ist es das Gefühl, „niemand“ zu sein, wenn man nicht mithält? Treibt einen diese „Mein Haus-mein Auto-Mein Boot“- Einstellung  dazu, unentwegt wie ein Hamster im Rad zu laufen? Und zum Stress bei der Arbeit noch der sogenannte Freizeitstress. Nehmen wir uns einfach zuviel vor? Wollen wir alles und noch viel mehr?

Ich schliesse mich da selber nicht aus, auch ich bin sehr oft einfach total müde vom Tag, den ganzen Tag Menschen um mich herum, so gern ich Menschen mag, manchmal mag ich einfach niemanden mehr sehen. Kann nicht mehr freundlich lächeln und immer geben, geben, geben. Ich merke, dass ich meine Ruhepausen immer mehr brauche und die Regeneration immer länger dauert. Normalerweise schreibe ich hier immer von den lustigen, von den positiven Seiten meines Lebens aber es gibt natürlich  auch hier und auch in meinem Leben andere Seiten, wie überall.

Und manchmal ist es gar nicht lustig, an einem Ort zu leben, an dem andere Ferien machen. Denn wenn die anderen die Dinge machen, die Spass machen, bin ich entweder am Arbeiten oder zu müde, um  mitzumachen.

Ich bin so erzogen, immer das zu tun, was man tun muss. Mit viel Verantwortungsgefühl, Jammern nicht erlaubt. Artiges Mädchen, Unternehmertochter sieht auch als Arbeitnehmer noch die Seite des Arbeitgebers. Sehr praktisch für den Arbeitgeber und sehr praktisch, wenn man dann selber ein Geschäft hat oder führt. Ich muss einfach aufpassen, das ich selber dabei nicht zu kurz komme. Dass ich mir Freiräume schaffe, dass ich zu mir selber schaue. Zum Erholen, zum Auftanken. Denn sonst kann ich auch für meine Mitmenschen nicht mehr in dem Masse da sein, wie sie es von mir gewohnt sind und wie ich es auch gern bin.

Ich fühle mich nicht als Burn-Out gefährdet, doch ich kann diese Jungs und alle anderen Menschen, die davon betroffen sind, verstehen, ich kann nachvollziehen, wie man da in ein Fahrwasser gerät, aus dem man sich irgendwie nicht aus eigener Kraft befreien kann. Von dem man meist gar nicht merkt, wie tief man schon drinsteckt.

Es wird deshalb immer wichtiger, einen Ausgleich zu haben. Etwas zu haben, das nicht mit Erfolg und Geld und materiellem Wert gemessen wird. Etwas, das Herz und Seele berührt. Ein Hobby, ein Sport, Meditation, Freundschaften, ein Kurs zur Weiterentwicklung, Bloggen, Bücher, Nichts-Tun, diese Liste lässt sich endlos fortsetzen und für jeden ist etwas Anderes das Richtige.

Und ich beende dieses Thema für heute und überlasse Euch Eurer eigenen Interpretation dazu und zu dem Satz, mit dem Toni (der nicht besonders religiös ist)  unsere 3 „Beispiel-Surfer“ verabschiedet hat:

„Hab Gott vor Augen.“

 

 

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16 Antworten to “Burnout- Meine Gedanken dazu”

  1. Schaps Says:

    Sehr schöner Text! Also ich kann da nicht soo gut mitreden, ich bin glaub ich einer der faulsten Studenten die es gibt ^^
    Mein Problem ist dieses selbstständige Arbeiten, einerseits ist es zwar schön zu entscheiden wann man was machen will, aber ich bekomm das nicht auf die Reihe, ich mach dann einfach viel zu wenig. Eigentlich brauche ich klare Vorgaben, dann gehts eigentlich. Wenn ich eine Frist für irgenwas bekomme, dann setz ich mich dran, zwar meistens im letzten Moment, aber ich setz mich dran und mach es. Lernen ist da das schlimmste, Prüfungen sind immer in fernster Zukunft, bis sie denn da sind. Und dann ist es zu spät fürs Lernen. So ist das jedes Mal…uff!
    Als ich meinen Dienst für den Staat erledigt habe, und zwar nicht beim Bund ^^, da hatte ich eine 40 Stunden Woche. Und ich habs hinbekommen. Ich hab eigentlich genauso viel gemacht wie jetzt. Burnout oder Stadien die ähnlich waren hatte ich glaub ich fast noch nie, manchmal wurde es mir halt ein wenig zu viel, weil der ganze Tag immer verplant ist. Das hab ich jetzt ja garnicht mehr. Ich hab viel zu viel Zeit und das macht mich sowas von unproduktiv! Anni war da schon etwas anders, die hat immer nen vollgepackten Tag, Freunde, Arbeit, Lernen, Freund. Und irgendwann wurde es ihr zuviel und sie hat sofort kapituliert. Das kann ich keineswegs gutheißen, man muss sich ja auch damit auseinandersetzen. Aber es half nichts, eine Sache fiel weg aus ihrem Tag. Du weißt ja welche das war.
    Schöner Roman den ich hier jetzt hingesetzt habe, war ja länger als dein Text ey xD

  2. Sicht-Feld Says:

    Mir gefallen Deine Gedanken zum Thema sehr – und ich finde es schön dass Du offensichtlich die Gabe hast, es anderen Menschen leichter zu machen, und dass Du diese Gabe auch einsetzt.
    Es stimmt schon, man muss, wenn man viel gibt, auch immer auf sich selbst aufpassen. Ich kenne da auch jemanden, der Gefahr läuft, sich zu sehr für seinen Job zu opfern. Er schüttet mir ab und zu sein Herz aus und sagt, dass es ihm dann besser geht. Zum Glück hat er einen stabilen Rückhalt durch seine Familie und ein Hobby, das ihm viel bedeutet. Es ist, wie Du sagst: Der Ausgleich ist wichtig.
    Ich selber arbeite im Moment nicht, weil ich in Elternzeit bin. Wenn ich arbeite, neige ich allerdings zum übertriebenen Perfektionismus und dazu, zu viel zu machen und mich selber hinten an zu stellen. Diese Erfahrungen habe ich vor allem im Referendariat gemacht. Umso schöner ist nun der Ausgleich, den ich mit meiner Elternzeit habe und den mir meine kleine Tochter so sehr versüßt, jeden Tag aufs Neue.
    Ich wünsche Dir alles Gute und liebe Grüße in die Schweiz!

  3. zentao Says:

    Sei ein gesunder Egoist, oder geh den mittleren Weg, wie Buddha sagt “ nicht zu viel und nicht zu wenig“ gerade recht, dass es Dir wohl ist. Jedes Fahrzeug hat eine Bremse, also dann steh da zwischen ein mal, so richtig auf die Bremse.
    schöne Grüsse ins schöne Engadien,
    von zentao

  4. Schonzeit Says:

    ich habe auch schon um mch Menschen mit Burnout gesehen. da verwelken Menschen innehalb von wenigen Momenten. Einfach leer sind die dann und zu nichts mehr zu gebrauchen. Davor waren es Karrieremnschen, die jeden Tag 10 Stunden oder mehr arbiten mußten um sch vollständig zu fühlen.

    Danach sind die meisten geläutert. Sie treten kürzer und leben bewusster. Das ist eigentlich jedem zu wünchen in der Situation. Eigentlich ist zu wünschen, das jeder rechtzeitig die Breme zieht. Denn wer einmal richtig ausgebrant war, den fängt man niht so schnell ieder auf.

  5. bonafilia Says:

    Schön geschrieben….:grin:

    Burnout kann jeden treffen, egal ob Karrieremensch mit 60 Stunden Wochen oder die NUR-Hausfrau! Eine Überbelastung der Seele und des Körpers findet oft schlagartig statt, in weinigen Wochen Monaten ist da nix mehr übrig vom Menschen der er/sie einst war.

    Ich stand schon kurz davor…und muss hart dran arbeiten nicht wieder komplett abzudriften…jeden Tag. Aber ich habe Familie und Freunde die mir helfen…und ich habe „Gott vor Augen“ 😕

  6. Dori Says:

    Liebe Andrea,

    erst mal vorweg: mich wundert auch nichts mehr. Ich hatte Dein Post gestern gar nicht gesehen 🙂

    Ich kenne das Gefühl, welches Du hast, sehr gut, da ich das zur Zeit auch habe. Ich versuche, meine Arbeits-Stundenzahl zu reduzieren, ich habe dann zwar weniger Geld zur Verfügung, aber mehr Lebensqualität. Ich brauche einfach mehr Zeit für mich und kann nicht immer nur für andere Menschen da sein, obwohl ich das sehr gerne bin. Aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Sollte das hier nicht klappen, suche ich mir eine andere Arbeit. Das ist das, was ich die letzten Wcohen für mich beschlossen habe.
    Am Beispiel meiner Kinder (30 und 27 Jahre) sehe ich, dass diese jungen Menschen genauso im Hamsterrad sitzen, wie Du es in Deinem Post beschreibst, nur dass sie ja noch im Aufbau sind (Haus kaufen, Familie gründen, etc.). Das habe ich hinter mir und kann jetzt den Absprung wagen.
    Ich habe hierzu auch mal ein Post geschrieben:
    http://www.chakrablog.de/2007/05/22/downshifting-loslassen/
    Seit ich den Entschluß gefasst habe, etwas zu verändern, fühle ich mich nicht mehr so ausgepowert.
    Entspannte Grüße ins Engadin,
    Dori

  7. Elisabeth Says:

    Ja, genau – und deswegen blogge ich 😉 Das Erschreckende ist, dass es nicht immer nur ums Thema Geld geht, Burn out kann auch Mütter und Hausfrauen treffen oder einfach Menschen, die überfordert sind mit Problemen und Sorgen, das muss nicht immer nur die Arbeit sein… Jeder muss auf sich selbst gut achtgeben und sich kleine Oasen der Ruhe suchen. Es gibt sie, überall, man muss sie nur wahrnehmen 🙂
    Herz-lich Elisabeth

  8. Cati Says:

    JA, das Gefühl keinen Menschen umsich herum sehen zu wollen, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Wenn man in einem Job arbeitet, bei dem man rund um die Uhr präsent sein muß, da hat man irgendwann einfach keinen Bock mehr, da möchte man nach der Arbeit mal allein sein. Bei mir ist es manchmal sogar so, das ich weder Fernseher noch Radio ertrage, weil ich einfach ruhe will – aber das liegt echt daran, das man in solchen Jobs ständig reden muß, und das man immer eine Geräuschkulisse um sich herum hat. Bürojobs sind da definitiv anders: Tür zu und Ruhe – sofern man ein einzel oder Zweierbüro hat und halbwegs gut miteinander auskommt.
    Zum Freiuzeitstreß kann ich nur sagen, das ich häufig total hohe Erwartungen an mein Wochenende stelle, total viel vorhabe, weil alles wichtig ist und ja auch(irgendwann) mal gemacht werden muß. Und dies und das noch dazu – weil alle sagen: das wäre ja mal gut. Manchmal bin ich Sonntag so knülle, das ich mich frage, wann ich mich ausruhen kann. Und das ist dann eigentlich too much…

  9. andrea2007 Says:

    Lieber schaps: das kenne ich auch, dass ich nur unter Druck gewissen Dinge tue. Ein bisschen Druck und eine gewisse Routine sind ja auch nicht schlecht, die treiben einen an.
    Wenn einem alles zuviel wird, sollte man gut abwägen, WAS man weglässt, schade, wenn es dann einen anderen Menschen trifft statt eine „Sache“, ich denke, Du verstehst, was ich meine. Und mach Dir keine Sorgen, ich mag Deine Kommentare, ob kurz oder lang! Liebe Grüsse Andrea

  10. andrea2007 Says:

    Liebe Sicht-Feld: danke für das kompliment. ich denke, ich hab da eine gewisse „ader“, die leute erzählen mir gern ihre geschichten und ich höre auch gern zu, es interessiert mich wirklich. nur manchmal muss ich mich halt abgrenzen, sonst kann ich nichts mehr aufnehmen. ja, der ausgleich ist wichtig.
    du scheinst ja ähnliche erlebnisse zu haben und mit deinem kollegen dasselbe zu machen. geniess deine elternzeit und dass du miterleben darfst, wie deine tochter wächst und sich entwickelt. das ist doch immer wieder das grösste wunder im leben…Liebe Grüsse andrea

  11. andrea2007 Says:

    Lieber zentao, schön deine worte, mit denen alles auf eine „einfache“ formel gebracht wird. bremse-tretende grüsse andrea

  12. andrea2007 Says:

    Ja, Herr Schonzeit, manchmal müssen die Menschen eben erst GANZ unten sein, bevor sie etwas ändern. Es ist erstaunlich, wie hoch die Schmerzgrenze sein kann…Liebe Grüsse Andrea

  13. andrea2007 Says:

    Liebe Bonafilia, auf jeden Fall kann Burnout oder tiefe Erschöpfung JEDEN Menschen treffen. Eine Hausfrau und Mutter hat ja sowieso eigentlich niemals „Feierabend“, da ist es noch wichtiger, dass sie sich Freiräume schafft. Wie schön, dass Du Familie und Freunde hast, die für Dich da sind, dann geht alles viel einfacher, finde ich…
    *gott-vor-augen-habende* grüsse andrea

  14. andrea2007 Says:

    Liebe Dori, wie könnte es anders sein, ich erlebe dieselbe Entwicklung zur Zeit:-) Danke für den Link zu Deinem Beitrag, den ich urlaubshalber leider verpasst hatte. Entschlüsse zu treffen gibt Energie, das hab ich auch schon gemerkt. entschlussfreudige powervolle grüsse andrea

  15. andrea2007 Says:

    liebe elisabeth, deswegen blogge ICH auch, es ist wie Dampf ablassen; es ist aber auch wie eine Dokumentation meiner Gedanken, meiner Entwicklung, meiner Einstellung- und das interaktiv, einfach grossartig! auf die oasen in dieser welt, herzliche grüsse zurück andrea

  16. andrea2007 Says:

    Liebe Cati, ja Du bist auch immer an der Front, daher kannst Du das gut nachvollziehen. Es ist etwas anderes, ob man sich mal in einem Büro zurückziehen kann oder immer und jede Minute an der Kundenfront steht, da fordert einen einfach anders. (keine Wertung) Und da mag man abends oft keine Menschen mehr sehen und auch nicht mehr telefonieren.
    Und am freien Tag gibt es soviel zu tun, möchte man sovieles tun, da bleibt auch immer wenig Zeit zum Entspannen. Man darf es einfach nicht übertreiben und ab und zu auch mal ohne schlechtes Gewissen einfach NICHTS-tun. Liebe Grüsse Andrea

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