Verkäufer oder Gastgeber? König oder Gast?

Der Beruf des Verkäufers ist ein absolut ehrenwerter Beruf und im Grunde verkaufen wir alle jeden Tag etwas… Und ich möchte hier auch nicht den Begriff „Verkäufer“ degradieren, ich fühle mich bei uns im Geschäft jedoch mehr als „Gastgeberin“. So seltsam das klingen mag, der Gedanke an einen Verkauf steht bei mir nicht im Mittelpunkt.

Das Ganze fing damit an, als wir vor ein paar Jahren das neue Geschäft in St. Moritz eröffneten. Die Kunden kamen nicht mit Kaufabsicht herein, weil sie gar nicht wussten, dass man nun auch Skibekleidung hier kaufen konnte. Also haben wir die Leute willkommen geheissen, ihnen einen Cafè angeboten an der Bar, mit ihnen nett geplaudert.

Über das lockere Gespräch an der Bar hab ich schon äusserst viel Verkäufe eingeleitet. Denn was passiert beim netten Plaudern, man baut Vertrauen auf, stellt einen Kontakt zum Kunden her. Wenn er sich wohlfühlt und nicht das Gefühl hat, ich will ihm eh nur etwas aufschwätzen, sind am Ende alle zufrieden, der Gast, ich und der Chef:-)

Früher sagte man immer: “ Der Kunde ist König.“ Was ist nun anders, wenn ich den Kunden als Gast betrachte? Richtig, als König stelle ich ihn über mich, mache mich selber klein.  Wenn ich ihn als Gast behandle und selber der beste Gastgeber bin, dann mache ich alles, dass er sich wohlfühlt, ohne unterwürfig zu sein. Unsere Gäste schätzen das sehr, weil wir keine Distanz aufbauen, sondern mit dem gesunden Respekt einem anderen Menschen gegenüber mit ihm auf einer Stufe stehen. Es sind schon sehr nette Bekanntschaften entstanden, weil wir auf diese Weise einen grossen Kreis von Stammkunden aufbauen konnten und es ist immer eine sehr familiäre, freundschaftliche Atmosphäre bei uns im Geschäft.

Und wenn man sich das Bild vom Gastgeber einmal genau anschaut, dann ergibt sich alles andere von selber. Wenn ich Gäste zuhause habe, mache ich ihnen ja auch die Tür auf, begrüsse sie nett, begleite sie in das Wohnzimmer, sorge dafür, dass sie sich wohlfühlen bei mir; wenn sie gehen, begleite ich sie wieder zur Tür, wünsche eine Gute Nacht usw.

Einer Freundin empfehle ich auch den bestimmten Friseur oder das neue tolle Restaurant oder den netten Skilehrer 🙂 oder mache sie aufmerksam auf ein anstehendes aussergewöhnliches Event. Ich bestelle ein Taxi für die Gäste zuhause und geb ihnen nicht einfach nur die Telefonnummer. Und genauso behandle ich auch den Gast bei uns im Geschäft.   Herzlich willkommen!

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3 Antworten to “Verkäufer oder Gastgeber? König oder Gast?”

  1. Ulf Runge Says:

    Liebe Andrea,

    bei Dir wäre ich auch gerne Gast! 😉

    Du siehst es vollkommen richtig. Kunden / Auftraggeber wollen keine Sklaven, sie wollen auf Augenhöhe Aufrichtigkeit, Aufgeschlossenheit, Beratung, Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit.
    Und das sind ja Eigenschaften, die wir im Privatleben auch schätzen, oder?

    Liebe Grüße, Ulf

  2. andrea2007 Says:

    Ja, lieber Ulf, das schätzen wir immer und überall, schön von Dir ausgedrückt und immer herzlich willkommen bei uns im Geschäft:-)

  3. ver-rueckt » Blog Archiv » “JA” zu Zeiträubern! Says:

    […] sie mir erst gar nicht rauben? Zu dieser Überlegung kam ich, als ich Andrea’s Beitrag – Verkäufer oder Gastgeber – las. Recht hat sie! Höflichkeit und Gastfreundschaft „rauben“ zwar Zeit und dennoch sind […]

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