Ratsgymnasium

Am 26.10.07 war ich auf dem Ehemaligentreffen an meiner alten Schule in Bielefeld, dem ehrwürdigen humnanistischen Ratsgymnasium. Ob ich ein Jubiläum hatte? Nein, ich bin einfach nur Mitglied im Ehemaligenverein und da gibt es jedes Jahr ein gemütliches Beisammensein mit Lehrern, ehemaligen Schülern, Lehrern, die ehemalige Schüler sind, Lehrern, deren Eltern bereits Lehrer waren, ehemaligen Schüler, deren Kinder heute Schüler sind…

Und deshalb kennt man auf den Ehemaligentreffen immer sehr viele Menschen, Menschen jeder Altersstufe, ob es der Apotheker vom „Alten Markt“  ist, die Immobilienmaklerin (smile), der Jurist, der Zahnarzt oder halt der Lehrer.

Ja, Tradition, die wird gross geschrieben am Rats, die bekommt man gleich von der Sexta an mit…

Tradition, etwas das heute nicht mehr selbstverständlich gepflegt wird. Etwas dass sich nicht so genau „fassen“ und erklären lässt. Woher kommt nun diese Zuneigung zu dieser Schule? Diese Zuneigung, die auch die derzeitigen Schüler verspüren, eine Mutter verriet mir, “ mein  (15jähriger) Sohn geht nicht gern zur Schule, aber das Rats liebt er über alles.“

So geht es vielen, und viele Ehemalige, die nicht einmal besonders gern zur Schule gingen, bekommen heute noch glänzende Augen, wenn sie von ihrer Schule erzählen. Was macht diesen besonderen Zauber aus?

Ich hab mal rumgefragt, was denn diese Zuneigung ausmacht und die unterschiedlichsten Antworten bekommen.

– das Schullandheim auf Langeoog, das verbindet einen so, (man fährt in den ersten 4 Schuljahren 3mal im Klassenverband hin, dann noch Ferienkurse usw)

– das Niveau der Schule 

– das Niveau der Schüler

– dass die alten eingesessenen Bielefelder Familien ihre Kinder schon seit eh und je auf’s Rats schickten

– der Beginn mit Latein als erster Fremdsprache

– die vielen Partnerschaftsschulen in europäischen Ländern

– die aussergewöhnlichen Klassenfahrten in der Mittel- und Oberstufe

– dass man im schönen Kunstpark Händchen- haltend die ersten Runden drehen konnte

– dass man samstags noch Unterricht hat

– dass wir noch soviele Lehrer „vom alten Schlag“ hatten

– die Tradition

– der Ehemaligenverein (1924 gegründet!) der in seiner Form wirklich einzigartig ist, es gibt keine Schule, die so einen Verein in der Perfektion und Grösse führt.

Für den Aussenstehenden sind das alles wahrscheinlich keine wirklichen Argumente für die besondere Verbundenheit, für den Stolz, auf dieser Schule gewesen zu sein, für das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Wahrscheinlich ist es die Summe von all dem und noch viel mehr, dass nicht erklärt werden kann; ich werde weiterhin zu den Ehemaligentreffen gehen, wenn es mir zeitlich und räumlich möglich ist, vielleicht zum Jubiläum nächstes Jahr?

Ich erinnere mich noch sehr gut an das 425 jährige, da war ich im Schulchor und wir fuhren 1 Woche alle zusammen nach Langeoog ins Schullandheim zur Probe, Mozarts Krönungsmesse; ein unvergesslicher Aufenthalt, wir haben stunden lang gesungen, zum üben, am Strand, beim Essen, es hat soviel Spass gemacht. Und dann das grosse Konzert in der Oetkerhalle, waoh, wo sonst nur die ganz grossen Konzerte stattfanden und dann wurde auch noch eine Schallplatte augenommen davon… ach, wenn ihr jetzt mein glänzenden Augen sehen könntet…:-)

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3 Antworten to “Ratsgymnasium”

  1. Martin Otto Hoffmann Says:

    Liebe Andrea,
    stimmt schon, Du beschreibst das sehr treffend. Genau diese Dinge sind es, die das Rats auszeichnen und die einen gern erinnern und schwelgen lassen. Gleichzeitig ist der Traditionsfaktor und die „alteingesessenen“ Familien etwas, das ein bisschen meinen „Anti-Traditions-Reflex“ wachruft. So fühle ich mich denn immer einerseits angezogen, andererseits zurückgehalten. Wahrscheinlich eine typische Haltung für solche Leute wie mich. Drängt sich die Frage auf: Und wer bin ich? Na ja, das würde hier vielleicht etwas weit führen…
    Dennoch: Die Verbindung ist eindeutig da und vielleicht ist es auch Zeit, wieder in den Ehemaligenverein einzutreten – aus alter Verbundenheit.
    Im übrigen teile ich jedes einzelne Wort, das Du über Langeoog und insb. den Choraufenthalt anno 1983 schreibst! Ich sage nur: Vamos a la playa! 😉
    Otto

  2. andrea2007 Says:

    Lieber Otto, schön dass Du meine Eindrücke teilst. Ich verstehe auch Deinen Konflikt sehr gut, heute soll es ja noch viel viel elitärer an der Schule zugehen, ich weiss nicht, ob ich das heute noch mögen würde…Allerdings hab ICH mich natürlich auch verändert und vielleicht seh ich das einfach nur aus einem anderen Blickwinkel. Die „mehr“ an Chancen, die man als Ratsschüler hat, sind trotz allem unbezahlbar…

    Und Mitglied im Ehemaligenverein zu sein ist doch schon fast Ehrensache:-)
    Ja, dieser Choraufenthalt war etwas ganz ganz besonderes, wie im übrigen alle Langeoog-Aufenthalte…
    See you beim Jubiläum, Ganz liebe Grüsse Andrea

  3. Klassentreffen - Schuljubiläum « Leben und Lieben in St. Moritz Says:

    […] feiert am Wochenende 450-jähriges Jubiläum und ICH FLIEG HIN. Ich bin ganz aufgeregt. Wie ich hier schon mal erwähnt hatte, gibt es einen Ehemaligenverein, der jährliche Treffen veranstaltet und […]

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