Kleine Abhandlung über die Reichen und die Vermögenden:-)

Jetzt „muss“ ich schon wieder fremde Worte ausleihen und kommentieren. Da ist im Magazin vom Tagesanzeiger dieser Bericht über Reiche. Der interviewte Soziologe -der vorher Pirvatbankier war (also ein Insider)- erforscht die Reichen und die Superreichen. Mein erster Gedanke war, ach die armen Reichen müssen erforscht werden. Doch dann las ich weiter und fand ein paar wirklich gute Denkansätze .

Die Frage, ob er in seinem Buch „Goldkinder“ , in dem er um mehr Sympathien für die Reichen wirbt, nicht übertreibt, rechtfertigt er,Thomas Druyen heisst er übrigens, dass immer mehr sehr Reiche Stiftungen gründen, spenden, an allen Ecken und Enden helfen, ohne das an die grosse Glocke zu hängen. Wenn einer sehr viel Geld hat, ist er ein Leben lang Vorurteilen ausgesetzt. Es fehlt der vorurteilslose Blick: Wer ist eigentlich wie reich geworden? Wer lässt etwas von seinem Geld an die Gesellschaft zurückfliessen?

Ein grundlegendes Problem fast aller Reichen ist jedoch die Sinnfrage: Wer alles haben kann, stellt sich viel eher die Frage, was man im Leben eigentlich alles anfangen will. auf eine solche Entscheidungsfreiheit sind die meisten Menschen nicht gut vorbereitet. Wir sind eher darauf angelegt, auf das Leben irgendwie zu reagieren.

Der Unterschied zwischen Reichen und Vermögenden ist gravierend. Die Spezies der Reichen erkennt man daran, dass sie sich ausschliesslich für ihr Geld interessieren, konsumfreudig und luxusorientiert sind. Als Vermögende bezeichnet er die Leute, die bereit sind, in ihrem Gemeinwesen Verantwortung zu übernehmen.

Wie verändert einen plötzlicher Reichtum und wie verändert sich der Charakter eines Menschen?Mehr Geld heisst mehr Unabhängigkeit. Dies bietet erstmal einen Wettbewerbsvorteil, um Selbstbewusstsein aufzubauen. Auf der anderen Seite scheinen diese Leute gar ncith zu verstehen, was für Optionen sie eigentlich haben. Der Charakter eines Menschen verändert sich nicht grundlegend (sagt ER, ich stimme da nicht 100% zu, dazu später). Aber der Umgang mit anderen Menschen verändert sich, man beginnt ihre Motive zu hinterfragen, warum ist der jetzt so freundlich? Warum widerspricht mir niemand? Warum wurde ich eingeladen?Und es braucht viel Übung, die richtigen Antworten zu finden. Menschen, die immer reich waren, haben oft einen hoch entwickelten Sensor dafür, was andere von ihnen wollen. Viele Reiche reagieren darauf mit noch mehr Bescheidenheit oder Grosszügigkeit. Es gibt reiche Leute, die bezahlen, weil sie keine Lust haben, anschliessend Danke sagen zu müssen.

Abschliessend sagt er, dass in einer freien Gesellschaft jedem überlassen werden muss, was er mit seinem Geld macht, aber jedem klar sein sollte, dass sich eine Gesellschaft nur durch die Wahrnehmung gegenseitiger Verantwortung erhalten lässt.

Aus meiner grossen Erfahrung im Sportgeschäft in St. Moritz mit Reichen, Superreichen, Vermögenden, Neureichen usw. kann ich folgendes dazu sagen: Es gibt sehr viele Reiche, die uns sehr anständig behandeln und Fachkompetenz schätzen und anerkennen. Da entstehen nette Kontakte, gute Gespräche und manch einer hat schon beim obersten Boss viel Positives über uns erzählt. Oftmals sind die Menschen, die das Geld wirklich selber verdienen, am nettesten, jodoch Ehefrauen oder Kinder haben so diese gewissen „Allüren“.

Dann gibt es den „östlichen Bereich“, diese Menschen sind teilweise aufgrund sprachlicher Barrieren etwas „distanziert“ um es nicht als unfreundlich zu bezeichnen, das muss man einfach so hinnehmen und bei diesen speziellen ist dann mein grösster Sport, ihnen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen… Aber auch dort gibt es immer mehr Menschen, die gemerkt haben, dass wir uns von viel Geld allein nicht beeindrucken lassen, sondern die menschliche Seite zählt und die sind dann auch wirklich sehr nett und wissen unseren Service zu schätzen. Im Grunde passen sich über kurz oder lang unsere Kunden alle unserer sportlichen, lockeren, aber kompetenten Atmosphäre an und fühlen sie bei uns wohl.

Da war der Russe, der in der Skimiete Schlange stehen musste und unserem Kollegen 100 Franken vor die Nase hielt, Hier, nimm mich zuerst dran. Doch dieser Kollege lächelte ihn nett an, lehnte dankend ab und sagte, einer nach dem anderen, nehmen Sie doch in der Zwischenzeit einen Cafe an der Bar. Das Gesicht von dem Kunden war filmreif…

Ich hatte dann diesen netten jungen Herrn, der nur … irgendwas sprach, was ich nicht verstand, wir haben uns nur mit Händen und Füssen „unterhalten“, er hat eine Jacke probiert und mir dann einen 1000 Franken-Schein aus dem Bündel 100er in seiner Hosentasche in die Hand gedrückt, und wir haben immer gelächelt und Gesten gemacht, haben uns super „verstanden“ und nach 5 Minuten war er wieder draussen, er zufrieden, ich zufrieden. So kann’s auch gehen…

Und dann natürlich all die unzähligen vielen netten Reichen, die sich gern beraten lassen,nicht nach dem Preis fragen und zufrieden aus dem Laden gehen, uns weiterempfehlen und gern wiederkommen. Das macht natürlich sehr viel Spass.

Eines ist sicher, im Verkauf und in den Ferien lernt man nicht nur viele Menschen kennen, sondern man lernt auch die Menschen kennen…;-) Es ist eine Menge Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen gefordert und wie oft haben wir schon gestresste Familien „von oben runtergeholt“, d.h. von ihrem Stress runtergebracht.Und oft komm ich mir gar nicht mehr „nur“ als Verkäuferin vor (auch wenn das ein ehrenwerter Beruf ist, der einen sehr fordert, vor allem bei so anspruchsvoller Kundschaft), sondern wie eine Gastgeberin, die erstmal einen Cafe anbietet, über dem man dann nett ins Gespräch kommt. Da geht es dann um alles Mögliche, von Wettervorhersage, Schneeprognose, Skilehrer-buchen über Ausgehtips und Schlechtwetterprogramm bis hin zu Friseur-Terminen. Im Gespräch beginnt dann plötzlich ein Verkauf und am Ende hat der Kunde einen Skilehrer für die Kinder, den neuesten Test-Ski und ein neues Ski-Outfit für den Herrn, einen Friseur-Termin für die Gattin und einen Tisch für ein Schweizer-Spezialitäten-Restaurant für den Abend. Und die Geschäftskasse und die Trinkgeldkasse füllen sich und alle sind zufrieden…:-)

Ob ich die Reichen beneide? Klar, manchmal ist es sicher schön, durch einen Laden zu shoppen ohne auf den Preis achten zu müssen. Aber nach einer Zeit wird das ja auch mal langweilig und wie oft wird nur noch gekauft, weil man das Neueste haben muss und nicht, weil man wirklich Freude dran hat. Und viel Reichtum und Besitz bringt auch viel Verantwortung, Sich-Kümmern-Müssen, Erhalten und Pflegen mit sich, das ist sicher auch nicht immer lustig und easy. Also beneide ich die Reichen? Nein, definitiv nicht.

Mir geht es gut, ich kann mir viel Schönes leisten und in den Urlaub fahren, wohne schon an einem der schönsten Orte der Welt und mal ehrlich, wirklich reich ist doch der, der gute Freunde hat und gute Beziehungen führt…

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3 Antworten to “Kleine Abhandlung über die Reichen und die Vermögenden:-)”

  1. Ulf Runge Says:

    Liebe Andrea,

    den semantischen Unterschied zwischen Reichen und Vermögenden, so wie Du ihn machst, kannte ich noch nicht. Interessant.

    Reich ist wirklich nur die oder der, die von sich sagen können, dass sie ein wie auch immer erfülltes Leben haben, die vor allem liebe Menschen um sich herum haben, wenn es einem mal nicht so gut geht, die auch das Glück haben, dass Krankheit und Gebrechlichkeit bisher kein Thema für ihre Lieben und sie selber waren und sind. Oder wenn doch, dass man damit zurecht kommt, dass man akzeptiert, sich aber nicht aufgibt.

    Es war in Österreich, als ich einem Geschäft ähnlich dem Deinigen folgendes vernahm: „Bittschön, wie ist der BH-Wert?“ Das rief mich natürlich auf den Plan, ich folgte der Stimme durch den Raum, sah aber beileibe keine Büstenhalter oder Dessous. „5,5“ antwortete die Verkäuferin, was mich doch etwas überraschte, weil von dieser Körbchengröße hatte ich noch nichts gehört. Ich schlich mich langsam an die Theke heran, an der dieses Gespräch soeben statt gefunden hatte. Immer noch keine BHs. Dafür aber jede Menge Sonnenschutzmittel…

    Liebe Grüße,
    Ulf
    P.S.: Diese Kurzgeschichte werde ich gleich auf meinem Blog veröffentlichen… 😉

  2. Ute S. Says:

    Im Kern meint Thomas Druyen ist, dass wir in Zukunft ein neues Verhältnis zu den Vermögenden brauchen, weil ohne sie keine zukunftsfähige Gesellschaft mehr denkbar ist. Es soll eine neue Kultur des Miteinanders entstehen, in der sich die Vermögenden in Bereiche einbringen, aus denen sich der Staat immer mehr zurückzieht. Die Normalbürger andererseit sollen ihr Verhältnis zu den Vermögenden, welches häufig durch Skepsis oder Neid gekennzeichnet ist, normalisieren.

    Druyen unterscheidet in seine Analyse zwischen vermögend und (neu) reich. Nur vermögende Menschen haben soziale Kompetenz und provozieren ihre Umwelt nicht, indem sie ihr Reichtum oberflächlich zur Schau stellen.

    Deine Erlebnisse im Sportgeschäft von St. Moritz spiegeln daher die Wirklichkeit recht gut wider.

    Nur am Rande: Sorry, dieses Jahr war ich im Stubaital zum Snowboardfahren – war nicht annähernd so gut wie bei Euch. Wir kommen bald wieder 😉

  3. andrea2007 Says:

    Liebe Ute, da hast Du die Gedanken von Herrn Druyen gut zusammengefassst, beschäftigst Du Dich sehr mit diesem Thema? Ich sage oft, hier ist „Heidiland“, hier ist nicht das richtige Leben, aber Du hast natürlich recht, das meine Erlebnisse hier meine Wirklichkeit spiegeln…
    Wenn Du das nächste Mal kommst, dann besuch mich doch im Geschäft…Lgr Andrea

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