Einst wurde in einem tiefen schattigen Wald ein kleines Reh geboren, das war so neugierig, wie es unter so scheuen Tieren, wie Rehe es sind, selten vorkommt. Dieses kleine Reh untersuchte alles, um es genau kennenzulernen. Es spielte nicht nur mit seinen eigenen Geschwistern, sondern auch mit anderen kleinen Tieren. Ja sogar mit den Vögeln unterhielt es sich.
In dem Wald, in dem dieses kleine Reh lebte, gab es ein von Menschen bewohntes Haus. Das kleine Reh hatte natürlich, wie alle anderen Tiere des Waldes, erfahren, dass man nicht in die Nähe von Menschen gehen durfte. Das war gefährlich. Kein Tier, das sich in die nähere Umgebung von Menschen gewagt hatte, war zurückgekehrt. Die Menschen mussten sie auf irgendeine Art und Weise festgehalten haben.
Aber unser kleines Reh war zu neugierig. Eines Tages ging es zum dem Haus und traf einen Knaben, der war so hübsch und freundlich, dass das Reh sofort Vertrauen fasste und auf ihn zuging. Der Knabe streichelte das Reh so liebevoll, dass es alle Warnungen vergass und mit dem Knaben ins Haus ging. Der legte ein Seil um seinen Haus, liebkoste es, spielte mit ihm und erzählte ihm Geschichten aus dem Leben der Menschen. Das kleine Reh war sehr glücklich.
Mit der Zeit aber beunruhigte es der Gedanke, dass es ein Seil um den Hals trug. “Ich habe meine Freiheit verloren”, dachte es. “Das kann nicht gut sein. Ich bin doch ein Reh. Und ein Reh muss frei sein. Ich liebe den Knaben und freue mich, bei ihm zu sein. Aber was ist, wenn er sein Gefallen an mir verliert? Dann bin ich nur noch ein gefangenes Reh. Und was wird dann?”
Die Ratlosigkeit des kleinen Rehs hielt lange an. Bis eines Tages etwas Überraschendes geschah. Das kleine Reh hatte nie bemerkt, dass das Seil ganz locker um seinen Hals hing. Eines Morgens wachte es auf und sah das Seil neben seinem Kopf liegen. Es war frei. “Ich kann gehen”, dachte es. “Ich kann zurück in die Freiheit des Waldes.”
Aber es blieb. Und als der Knabe die Augen aufschlug, sprach das Reh zu ihm: “Ich könnte Dich jetzt verlassen.” Der Knabe war erstaunt und sprach: ” Das hast du immer gekonnt. Denn das Seil hab ich dir nur umgelegt, damit die anderen Menschen sehen können, dass du ein zahmes Reh bist und dir nichts antun. Aber wenn du gehen möchtest, kannst du gehen.”
Von nun an war das kleine Reh mit seinem Knaben wieder glücklich. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie und lieben einander noch heute.
Alexa Mohl, “Metaphern-Lernbuch”
(Anmerkung der Verfasserin, Das kleine Reh und der Knabe ist für eine Frau geschrieben, die Angst hatte, eine Liebesbeziehung einzugehen, weil sie befürchtete, darin die eigene Freiheit zu verlieren)
Meine Interpretation dazu? Wenn wir uns manchmal angebunden fühlen, sollten wir überprüfen, ob wir uns nicht selber angebunden haben…

15. April 2010 um 7:20 vormittags
Eine sehr schöne Geschichte, liebe Andrea. Und deine Interpretation teile ich voll und ganz. Dazu vielleicht, dass man das Glück manchmal jenes der Konventionen findet. Dazu braucht es aber Mut. Und so draufgängerisch und verrückt das kleine Reh vielleicht auf die anderen Tiere wirkte, so mutig war es.
Ich wünsche dir einen glückbringenden Tag, ganz ohne Fesseln,
Sunny
15. April 2010 um 8:22 vormittags
*kreisch* Ist das Foto süüüüüüüüüüüüüß.
Liebe Andrea,
ich teile deine Interpretation zu der Geschichte. Meistens sind wir es selbst, die uns anbinden, die Freiheit nehmen. Natürlich gibt es auch andere Fälle, aber darum geht es hier nicht. Nein, es sind unsere Gedanken, die uns oft die Freiheit nehmen, nicht nur in einer Beziehung. Das, was wir denken, ist für uns wahr. Egal, ob es stimmt oder nicht.
Liebe Grüße an dich,
Martina
15. April 2010 um 8:36 vormittags
du liebe andrea
das ist eine so herzige geschichte, die mich sehr zum nachdenken bringt.
eine beziehung egal welcher art kann nur aus dem freien willen entstehen. nur die freiheit läßt das vertrauen in den menschen und auch tieren wachsen, läßt wundervolle gemeinsamkeiten entstehen….
das war mein erster gedanke zu der geschichte
und zum anbinden da sag ich mir: oft steckt wie in der geschichte etwas anderes, tieferes dahinter
und wie du so schön geschrieben hast: oft sind auch wir diejenigen die uns selber anbinden und unser herz verschließen und es lieber bei uns behalten.
so das waren nun viele gedanken auf einmal *Lächel*
allerliebste freie grüße von babsi
15. April 2010 um 8:48 vormittags
Hallo!
Schöne Geschichte!
Bin über Babsis Blog hierhergekommen.
Alles Liebe
Eva
15. April 2010 um 9:51 vormittags
Liebe Andrea,
auch ich finde die Geschichte wunderschön. (Wo gräbst Du so was Schönes nur immer wieder aus??)
Meine Meinung: Liebe ist ohnehin stärker als jeder Strick oder Kette …und lässt sich nicht anbinden oder festketten.
Im Umkehrschluss kann aber auch kein Strick oder Kette einen Menschen festhalten, der liebt
Hab einen wunderschönen Tag,
sonnige Grüße
besser und besser,
Gaba
15. April 2010 um 9:52 vormittags
Was für eine schöne Metapher! Und das Bild mit dem Kitz ist ja nur goldig! Das ist mit der Grund, warum Ulrike und ich bewusst auf “ein Stück Papier” verzichten, das unsere Liebe dokumentiert. Wir wissen, dass jeder von uns jederzeit die Freiheit hat, zu gehen. Und wir entscheiden uns jeden Tag aufs Neue dafür, zu bleiben.
Alles Liebe,
Jürgen
15. April 2010 um 10:11 vormittags
Was für eine wundervolle, lehrreiche, weise Geschichte, liebste Andrea!!!
Ich lerne… und erkenne…
Danke dir dafür – und das Foto ist auch wieder zum Kuscheln und Liebhaben!
Von Herzen, Elisabeth
15. April 2010 um 10:19 vormittags
Liebe Sunny, ja genau, ein wenig Mut braucht es manchmal schon und ganz viel Vertrauen und Glaube, nicht in oder an den anderen Menschen, sondern an sich selbst und an die Liebe… Entfesselte liebe Grüsse Andrea
15. April 2010 um 10:20 vormittags
Liebe Martina, ja so herzig, gell? Ja oft sind unsere Gedanken die Grenzen, wir haben oft genug “Filter” auf und merken gar nicht, dass wir viel mehr Freiheit haben, als wir es uns erlauben… Genau, die Welt ist so, wie ich sie denke und fühle… Und dadurch haben wir alle unsere ganz eigenen Wahrheit und Realiät, Ganz liebe Grüsse Andrea
15. April 2010 um 10:27 vormittags
Liebste Babsi, ja mich machte die Geschichte auch sehr nachdenklich und wie meistens, passte sie eben gerade im Moment des Lesens und daher hab ich sie gleich aufgeschrieben… Eure Kommentare sind wirklich toll dazu und bringen mich auch wieder auf neue Gedanken. Es gibt leider zuviele Beziehungen, die eben nicht frei sind; wo das Kräfteverhältnis ungleich verteilt ist, wo einer “die Hosen anhat” und der andere “kuscht”… Das erlebe ich immer wieder im Geschäft, es ist immer spannend, herauszufinden, wer das Sagen hat und wer entscheidet, was gekauft wird… Und nicht nur spannend, sondern auch wichtig für die Kasse:-)
Um zu “testen”, ob wir angebunden sind, müssen wir vielleicht nur einmal einen Schritt weitergehen…und dann reinfühlen, denn manchmal sind es auch Gefühle, die uns binden… Allerliebste Herzensgrüsse Andrea
15. April 2010 um 10:29 vormittags
Hallo Eva, herzlich willkommen auf meinem Blog, schön dass es Dir die Geschichte gefällt. Liebe Grüsse Andrea
15. April 2010 um 10:31 vormittags
Liebe Gaba, diese Geschichten finden MICH…wenn ich sie brauche… Ich teile Deine Meinung, dass die Liebe das Stärkste ist und sich nicht anbinden lässt. Dem Umkehrschluss kann ich nur bedingt zustimmen, es gibt “Mächte”, die uns festhalten, auch wenn wir es nicht wollen. Zum Glück kann man das, wenn man es erkennt, auch verändern und auflösen… und zum Glück weiss ich, wie das geht. Gute Idee, das werd ich doch heute mal in den Angriff nehmen… Auch Dir einen wunderschönen Tag, liebe Grüsse Andrea
15. April 2010 um 10:34 vormittags
Lieber Jürgen, das ist wunderschön bei Euch beiden… und ich freu mich für Euch, dass es so gut klappt. Für mich war das “Papier” schon immer mehr als ein Vertrag oder Festbinden oder eine Formsache, es ist für mich das “Comitment”, schaut her, wir beiden stehen dazu, dass wir zusammengehören…Wir gründen eine neue Familie zusammen… Kann ich nicht besser erklären. Aber Eure “Methode” gefällt mir auch sehr gut. Alles Liebe für Euch, Andrea
15. April 2010 um 10:36 vormittags
Liebste Elisabeth, ich auch… ich auch… Liebste Kuschelgrüsse Andrea
15. April 2010 um 10:41 vormittags
Danke!
Ja, es ist oft viel mehr, als man sieht!
15. April 2010 um 10:49 vormittags
Liebste Andrea,
danke Dir für diese wunderschöne Geschichte und das süße Bild.
Wir haben letzte Woche auch ein Reh beobachtet. …..
Ja, manchmal ist man freier als man glaubt und wenn man auch in einer Beziehung frei leben kann, macht das auch innerlich frei.
Soweit meine Gedanken
freie Grüße an Dich
herzlichst Erika
15. April 2010 um 3:42 nachmittags
Liebe Andrea,
das ist in der Tat eine sehr schöne Geschichte und diese Weisheit hat mich wieder an etwas erinnert.
Wir sind alle FREI, selbst wenn wir ein Seil um den Hals tragen, was uns der Alltag und die diversen Verpflichtungen uns um den Hals legen.
Deshalb bin ich DIR ganz besonders DANKBAR, denn in den letzten Wochen hatte ich ein recht DICKES Seil um den Hals gespannt und durch diese Geschichte ist mir klar geworden, dass es doch ganz locker liegt – und ich frei bin, wenn ich es nur will.
DANKE ! Von Herzen
Doris
15. April 2010 um 3:53 nachmittags
Liebe Andrea,
die Geschichte spiegelt mir so manches. Wenn ich das “Gefühl” habe, unfrei zu sein oder angebunden, dann will ich nur noch weg.
Wenn ich aber das Gefühl von Freiheit habe, dann will ich bleiben.
Danke für diese schöne Geschichte.
Und ich schließe mich Mamü (wenn ich auch nicht kreische) an, das Bild ist einfach nur zauberhaft.
Allerliebste Herzensgrüße
Dori
15. April 2010 um 5:11 nachmittags
Liebe Eva, und Du als Fotografin siehst ja wahrscheinlich noch mehr / anderes…:-) Liebe Grüsse Andrea
15. April 2010 um 5:12 nachmittags
Liebste Erika, wie die Liebe beginnt die Freiheit wohl auch in uns selbst, das ist mir jetzt ganz klar geworden…wenn ich innere Freiheit lebe, dann lebe ich auch in einer Beziehung frei… danke Dir für DEINE Gedanken, herzlichste Grüsse zu Dir, Andrea
15. April 2010 um 5:14 nachmittags
Liebe Doris, danke für Deine offenen Worte. Und ich freu mich sehr für Dich, dass Dir diese Dinge bewusst geworden sind… das ist etwas ganz Schönes und Wichtiges. Ja der Alltag kann manchmal schon ein ganz schön dickes Seil sein, das kenn ich auch… und trotzdem können wir innere Freiheit spüren und leben, da glaub ich jetzt fest dran… nicht immer, aber immer öfter:-) Herzlichste Grüsse Andrea
15. April 2010 um 5:15 nachmittags
Liebste Dori, wie sollte es anders sein, so bin ich auch. Ich kann richtig bockig werden, wenn ich das Gefühl hab, ich könnte angebunden werden… Mit dem Gefühl von Freiheit hab ich Flügel und bliebe von Herzen gern… Ja das Bild ist wirklich so herzig, gell? Ein kleines Bambi… Allerliebste Herzensgrüsse zu Dir zurück, Andrea
15. April 2010 um 5:22 nachmittags
Liebe Andrea,
DAS nehm ich aus der schönen Geschichte mit!
gut, dass die beiden dann einfach mal miteinander gesprochen haben und der Knabe erklärt hat, was das mit dem Seil ist und das Reh gesagt hat, dass es gehen könnte und es nicht einfach getan hat! So hat es dann wieder funktioniert
Liebe Grüsse vom Kronprinz
15. April 2010 um 6:00 nachmittags
Lieber Kronprinz, dann war das Reh ja ein schlaues Reh, dass es nicht einfach abgehauen ist, sondern anfangen zu sprechen. Und der Knabe war auch schlau, weil er so verständnisvoll war… ich freu mich sehr, dass Du DAS aus der Geschichte mitnimmst… liebe Grüsse Andrea
15. April 2010 um 10:28 nachmittags
Liebe Andrea,
danke für diese berührende Geschichte.
Liebe Grüße
Anna-Lena
15. April 2010 um 11:59 nachmittags
Liebe Andrea,
die entscheidende Erkenntnis bei der Freiheit ist ja,
dass wir nicht frei sind “von”.
Sondern dass wir erkennen sollten, dass wir die Wahl haben,
dass wir frei sind “für”.
Danke für die schöne Geschichte. So macht man es wohl mit der Dressur von Elefanten. Die sind am Anfang angebunden. Und später bindet man sie nicht mehr an. Es genügt, dass sie wissen, dass sie das Seil umgebunden haben…
Liebe Grüße,
Ulf
16. April 2010 um 6:23 vormittags
Liebe Andrea,
Doris hat mich zu dieser Geschichte geführt und ich finde sie auch ganz zauberhaft.
Da ich sehr gerne Geschichten vertone möchte ich fragen, ob ich auch diese Geschichte vorlesen darf – sie würde wunderbar zu meiner Geschichtensammlung passen.
Viele liebe Grüße
Irene
16. April 2010 um 11:38 vormittags
Liebe Anna-Lena, herzlich gern… Liebe Grüsse Andrea
16. April 2010 um 11:39 vormittags
Lieber Ulf, Deine entscheidende Erkenntnis ist jezt auch meine, ganz genau, wenn wir von etwas frei sein müssen, dann bindet es uns irgendwie ja trotzdem. Frei für… das klingt voller Möglichkeiten, Chancen und Phantasie… Ja die Geschichte mit den Elefanten kenn ich auch, sie versuchen es dann gar nicht mehr erst, wegzulaufen… wieviele Elefanten gibt es wohl unter den Menschen…? Nachdenkliche Grüsse Andrea
16. April 2010 um 11:41 vormittags
Liebe Irene, dann herzlich willkomen in “meiner” Geschichte. Freut mich, dass sie Dir auch gefällt. Sie ist leider nicht von mir, sondern aus dem Buch, das ich zitiert habe, vielleicht fragst Du die Autorin einfach einmal… Ich hab so ein Gefühl, wenn Du sie dabei namentlich erwähnst, wird sie nichts dagegen haben, dass ihre Geschichte weitererzählt wird… Liebe Grüsse Andrea
16. April 2010 um 11:28 nachmittags
hach ja … leider macht mich die geschichte und vor allem das foto gerade jetzt ein wenig traurig, weil ich heute abend ein verlassenes kitz am deich gesehen habe, das in blinder panik davonlief. ich hoffe inständig, dass es den anschluss an das rudel und vor allem an die ricke wiederfindet.
liebe grüße!
17. April 2010 um 7:08 nachmittags
Liebe Ina, oh das hoffe ich auch; wie ich Dich kenne, gehst Du bald nochmal an die Stelle und schaust Dich um… Liebe Grüsse Andrea
3. Februar 2012 um 6:30 nachmittags
das is so herzig ¦D
7. Februar 2012 um 11:40 vormittags
2. November 2012 um 3:41 nachmittags
[...] Das kleine Reh und der Knabe – eine Metapher [...]