Ziel und Sinn… Ziel vor Sinn…

Auszug aus “Teamlife” von Ralph Krueger (hier schonmal zitiert)

In den Neunzigerjahren versagte diese [Eishockey]Nationalmannschaft in wichtigen, grossen Spielen oft. Sobald es, auch materiell, um etwas ging, wirkte die Mannschaft wie gelähmt. [...] In kritischen Momenten dominierte ihre Angst ihre Aktionen. Blockierte die eigene Angst ihre Möglichkeiten, Chancen herauszuspielen und zu nutzen. Diese mentale Schwäche musste ich innerhalb von zehn Monaten beheben. Doch wo genau lag das Problem?

Die Spieler brauchten eine neue Zieldefinition. Ihr Ziel hiess bis dazumal: Gewinnen. Ihr Fokus war auf Populärwerden und Geldverdienen gerichtet. Dieser Fokus musste auf ihrer Festplatte umprogrammiert werden. Die neue Definition von Ziel war ausgezeichnete, hervorragende Ausführung im Moment. Das bedeutet: Wo immer sich die Spieler befinden, auf dem Eis beim Trainin, im Hotel beim Essen, an Orten der Freizeit, sollen sie, in jedem Moment, ihr Bestes geben. Und erst der Sinn der ganzen Sache ist es zu gewinnen. Auf dem Weg zum Erfolg liegt darin vielleicht der wichtigste Punkt des Tuns: den Unterschied zwischen Ziel und Sinn zu verstehen.

Steht ein Lehrling kurz vor seinem Abschluss oder eine Nationalmannschaft kurz vor einem Weltmeistertitel, können Ziel und Sinn zwischen Abschluss oder Durchfallen, zwischen Weltmeisterschaft oder Rang zwei entscheiden. WEnn eine Mannschaft fünf Minuten vor Ende des Spiels mit einem Tor Unterschied führt und dann beginnt, das Ziel, also die Asuführung, mit dem Sinn, nämlich dem Siegen, zu vertauschen, besteht die Gefahr, dass Ängste aufkommen, die zu einer Niederlage führen können. Beim Lehrling besteht die gleiche Gefahr. Bereitet er sich nicht optimal vor, hat er im Voraus nicht alles getan, um beid er Prüfung gut abzuschneiden, wird er im entscheidenden Moment auch unsicher werden und seinen Abschluss vielleicht vermasseln.

Viele Firmen setzen Ziele in Zahlen um. Viele Einzelpersonen tun dasselbe. Nimmt man eine Fixierung auf Zahlen in seine Ausführung hinein, ist es schwierig, sich 100%ig auf die momentane Aufgabe zu konzentrieren. Im Moment der Krise werden gerade diese Zahlen Ängste verursachen, die dann die ganze Ausführung blockieren können. Zahlen und materielle Werte haben sicher ihren Platz, wenn man Zukunftsbilder erzeugt. Das Ziel muss aber die hervorragende Ausführung im Moment sein.[...]

Den Weg, den man geht, hat man so gut zu gehen, wie man ihn nur gehen kann. Und genau darum dreht es sich. Wenn wir uns auf einem Weg befinden, müssen wir uns auf diesen konzentieren, ist das Begehen dieses Weges das Ziel. Dabei gibt es keine Abkürzungen. Der Weg verlangt, Schritt um Schritt begangen zu werden.

Macht man aus dem Ziel einen Sinn, werden auch materielle Erfolge erzielt. Oft schneller als umgekehrt. Doch diese materiellen Erfolge sind mist nicht von Dauer und machen einen nicht richtig glücklich, weil ihre Basis nicht tief in einem fundiert ist.

Die gedankliche Stukturierung von Ziel und Sinn bringt nicht immer die perfekten Resultate, doch sie setzen einen Rahmen, in welchem Erfolg möglich ist.

sinnziel

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11 Antworten to “Ziel und Sinn… Ziel vor Sinn…”

  1. Babsi Says:

    Liebste Andrea

    Sehr nachdenklich habe ich deine Zeilen gelesen und bewundere grade, wie direkt du die Dinge auf den Punkt bringst.
    Das Ziel zu verformen schafft auch gleich eine ganz andere Motivation wenn nicht von Zahlen und Leistung ausgegangen wird sondern von dem, was jeder in der Lage ist persönlich zu geben.

    Ein Beispiel: Ich litt in meiner Schulzeit höllisch unter Prüfungsangst, manchmal mußte ich sogar die Schularbeiten abbrechen. Ích hatte ständig den Leistungsdruck und ich MÜSSE es schaffen
    als ich auf die Uni kam, war der Druck plötzlich weg!!!sicher auch da mußte ich Prüfungen bestehn aber ich wußte ich konnte zumindest 2mal wiederholen und wenn ich einen 5er bekam mußte der nicht abgesegnet werden von meiner Mutter und da ich dort eher anynüm bin wurde ich nicht ausgelacht

    das nur am Rande. mir sel´ber fällt vieles leichter wenn der Erfolgsdruck wegfällt und stattdessen meine perrsönliche Motivation im Vordergrund steht. Deswegen bereu ich auch nicht, dass ich mein Studium, das sicher ERFOLGSVERSPRECHENDER gewesen wäre durch etwas ersetzt hab, was mir Freude macht, meine Interessen fördert und die Angst einem neuen Selbstwert weicht..

    danke für diese wertvollen Zeilen!!!

    liebste Grüße von Babsi

  2. Michael Says:

    Liebe Andrea,

    jetzt war ich doch ein wenig erstaunt. Den Ralph Krueger kenne ich noch als aktiven Eishockeyspieler und als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, ich wusste gar nicht, dass er schreibt. Ein Teil des Textes gefällt mir ausgesprochen gut. Das Begehen des Weges als Ziel, erinnert mich ein wenig an Taoismus und die Geh-Meditationen des Zen. „Zen ist nicht etwas Aufregendes, sondern Konzentration auf deine alltäglichen Verrichtungen“ (Shunruyu Suzuki)

    LG Michael

  3. Ulf Runge Says:

    Liebe Andrea,

    diese Zeilen kann man gar nicht oft genug wiederholen.
    Am besten finde ich die Formulierung:
    Das Ziel muss aber die hervorragende Ausführung im Moment sein.

    Sich selber so zu beeinflussen, dass man immer und überall das beste geben will und gibt, das sind wahrlich die höheren Weihen der Selbstdisziplin. Die man allerdings nur ernten wird, wenn zum Wollen die Überzeugung kommt…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  4. andrea2007 Says:

    Liebste Babsi, das tut Herr Kruger, nicht ich, ich hab es nur zusammengestellt. Das mit Deiner Prüfungsangst klingt heftig, ich hatte ab der Mittelstufe immer Probleme mich mündlich zu äussern, da kann ich das vielleicht ein bisschen nachvollziehen. Schön, dass Du am Ende das gemacht hast, was DU wolltest, was DIR gut tun und Freude macht. Denn schliesslich ist es ja DEIN Leben, dass Du lebst:-) Allerherzlichste Grüsse Andrea

  5. andrea2007 Says:

    Lieber Michael, er ist auch Referent, Motivator in der Geschäftswelt und hat über seine Erfolgsphilosophie dieses Buch geschrieben mit einem Co-Autor. Es liest sich sehr spannend und ist sehr bereichernd. Schön, Deine Ergänzung aus dem Zen, gefällt mir auch sehr. Liebe Grüsse Andrea

  6. andrea2007 Says:

    Lieber Ulf, ja das ist auch meine Lieblingszeile, für mich die Kernaussage. Es ist natürlich ein hoher Anspruch, das zu wollen… Ein guter Gedankenansatz von Dir, zum Wollen muss die Überzeugung kommen, genau… Liebe Grüsse Andrea

  7. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    eine gute Anregung. Danke! Herzlich grüßt: der kurz angebunden Jörg

  8. Erika Says:

    Liebste Andrea,

    dazu fällt mir auch aus Michael Ende “Momo” der Straßenkehrer Bebo ein:

    “man darf nie an die ganze straße denken, verstehst du? man muß nur an den nächsten schritt denken, an den nächsten atemzug, an den nächsten besenstrich. und immer wieder nur an den nächsten.”
    wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: “dann macht es freude; das ist wichtig, dann macht man seine sache gut. und so soll es sein.”
    und abermals nach einer langen pause fuhr er fort: “auf einmal merkt man, daß man schritt für schritt die ganze straße gemacht hat. man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer puste.” er nickte vor sich hin und sagte abschließend: “das ist wichtig.”

    Liebe Grüße von Erika

  9. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, gern geschehen. Herzliche Grüsse Andrea

  10. andrea2007 Says:

    Liebste Erika, oh wie schön, diese Stelle aus Momo, die genau dasselbe sagt, danke danke. Da freu mich jetzt total drüber, Du Liebe. Alles Liebe für Dich und immer genug Zeit für die wichtigen Dinge, Andrea

  11. 4 Ausgangspunkte für Erfolg im Team « Leben und Lieben in St. Moritz Says:

    [...] für Erfolg im Team By andrea2007 Hier ein weiterer interessanter Auszug aus „Teamlife“ von Ralph [...]

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