Familiengeschichte…die Firma

Bei meiner “Deutschlandtour” wurde ich heute von meinem Vater (77) zum Mittagessen ausgeführt. Ort- Überraschung für mich. Es war ein wunderschönes Restaurant auf einem Golfplatz (eigentlich gar nicht so mein Ding, aber Ausnahmen bestätigen die Regel)inmitten herbstlicher Natur und es gab …. Kastenpickert mit Rübenkraut und Pflaumenmus. Eine westfälische Spezialität, die ich schon ewig nicht mehr gegessen habe, köstlich. Aber was noch viel aufregender war die -wahre- Geschichte, die sich zwischen uns entspann…

Mein Grossvater Karl Wilhelm gründete 1922 seine Reifenfirma in Bielefeld. Wie er auf die Idee kam, wo doch sein Vater und sein Grossvater Glasmacher in Obernkirchen gewesen waren? Ein Onkel meines Vaters hatte im Krieg Autofahren gelernt und einen General durch die Gegend kutschiert. Er arbeitete mittlerweile bei der Bielefelder Strathemann, heute würde man sagen, einem Autohaus und er war Fahrlehrer dort, d.h. er brachte den Leuten, die dort ein Auto kauften, bei, wie sie mit dem Auto fahren. (unvorstellbar heute, oder?) und er holte meinen Grossvater nach Bielefeld und brachte ihn auf die Idee.

Mein Grossvater baute sich eine kleine, stabile Firma auf,  nahm meinen Vater direkt nach der mittleren Reife aus der Schule und dieser machte dann eine Lehre als “Vulkaniseur” (die Fa war Reifenfirma und Vulkanisierbetrieb, kennt heute sicher kaum noch jemand) und nebenbei noch eine kaufmännische Schule. Und 1952- also mit 22 Jahren- wurde er offiziell zum gleichberechtigten Teilhaber. Und- er durfte schalten und walten, wie er wollte, mein Grossvater hatte vollstes Vertrauen in seine Fähigkeiten. Das ist wohl nicht der “Normal-Fall.

Mein Vater hatte mit 18 seinen Führerschein (das war 1948!) und ein Jahr später bereits ein Auto. Wie es dazu kam? Opa Karl Wilhelm wollte ihm für 2500 Reichsmark ein Motorrad kaufen. Mein Vater sagte ihm aber, er wolle lieber ein Auto und hätte für 2500 Reichsmark einen Fiat gesehen. Worauf sein Vater natürlich ausflippte und schrie, ich hatte in Deinem Alter nicht einmal ein Fahrrad… (gewisse Dinge ändern sich wohl doch nie zwischen Eltern und Kindern, smile)

Nun war aber folgendes im Vorfeld passiert: am Ende des Krieges war der schicke BMW von Karl Wilhelm “abhanden gekommen”. Ein Wehrmacht-Offizier hatte  ihm einfach seine  Knarre vor die Nase gehalten und ihm das Auto weggenommen… Karl Wilhelm kaufte sich dann einen alten Opel und 1948 tauchte dann plötzlich dieses “abhanden-gekommene” Auto bei der Reichsbahn wieder auf und er bekam seinen heissgeliebten BMW zurück, d.h. um genau zu sein, er musste ihn dann tatsächlich  zurückkaufen für 2000 Mark.

Den alten Opel bekam schlussendlich mein Vater und somit war das “Problem” auch erledigt:-) 

Mittagspause machten beide nacheinander, zuerst mein Vater, mein Grossvater in der zweiten Schicht und dafür eine halbe Stunde länger; sie verbrachten sie beide bei meiner Grossmutter; mein Grossvater ging zu Fuss hin, mein Vater fuhr natürlich mit dem Auto:-)

Mein Grossvater war mit seiner Firmengründung der Pionier der Reifenbranche in Bielefeld, leider verstarb er schon 1954;  mein Vater führte die Firma bis in die 80er Jahre erfolgreich weiter. Echte Bielefelder werden sich an seine beste Werbe-Idee mit Kult-Charakter erinnern, die  Samstag nachmittags per Lautsprecher auf der Bielefelder Alm (Fussballstadion) bei Arminia Bielefeld verkündet wurde, wo es jahrelang hiess: “Und den Ball für dieses Spiel stiftete wieder… die Firma Reifen Kording.”

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9 Antworten to “Familiengeschichte…die Firma”

  1. gokuhi Says:

    schöne geschichte. ich hatte auch erst mit kanpp 21 jährchen eien fühereschein und mir aber erst kurz vorher mein erstes gutes rennrad geholt. hängt heute immer noch topgepflegt im schuppen und sieht aus wie fast neu !
    in so fern gibt es immer noch so fälle…

  2. andrea2007 Says:

    …und das 40Jahre später…:-) wie es wohl noch weitere 40 Jahre später aussehen wird…

  3. Ulf Runge Says:

    Oh, ein Bild von einem 12m oder 15m mit Weltkugel. So einen Gefährten hatten wir auch.
    Liebe Andrea,
    das ist eine schöne Geschichte, schön insbesondere, weil Du mit Deinem heute noch darüber reden kannst. Das ist ein Glück!!!

    Liebe Grüße,
    Ulf

    P.S.: Ihr seid nicht am Freitag abend in der Nähe von Darmstadt, oder?

  4. sabine Says:

    sehr schön, man kann sich die szenen richtig vorstellen!!
    bin ja auch gespannt wie es ist wenn julie 18 ist, bis dann ändert sich sicher auch schon sehr viel!
    kuss

  5. gokuhi Says:

    och ne´ so alt isse´s denn doch nicht. mit 21 jahren gekauft – jetzt bin ich 40zig – also gute 19 jahre. mal sehen wie ich so in 19 jahren aussehe… ;-)

  6. andrea2007 Says:

    hallo sabine, ja und irgendwie wird das plötzlich ganz schnell gehen…wie wir dann wohl drauf sind. Hab schon zu meinem Vater gesagt, wir werden den jungen Leuten dann irgendwann mal erzählen, wie das war, als das Internet entstand…:-)lgr andrea (auch liebe grüsse an Julie und Oli)

  7. andrea2007 Says:

    @gokuhi: gut, dass wir das nicht schon vorher alles wissen…;-) aber wir werden in 19 Jahren natürlich immer noch TOP ausssehen…:-)

  8. Peter Uphoff-Reifen Uphoff Says:

    Hallo nette Frau.
    Ich habe eine Frage an sie.
    Kennen Sie Petra und Manuela Kording.
    Ich Suche schon lange im Net nach denen.
    Ich habe sie damals auf dem Campingplatz
    kennen …….gelernt. Die Geschichte vom Reifen
    Handel passt fast 1zu1 zu meiner.
    Mein Opa hat 1930 in Bad Salzuflen einen Reifenhandel eröffnet.Ei Opa ist gestorben
    Wie mein Daddy 17Jahre war. Er hatte Dann
    seinen Vulkaniseueister gemacht.
    Ich würde mich sehr sehr freuen etwas von Ihnen zu hören.
    Ps. Heute gehört meinem Sohn Julian der
    Betrieb.
    Peter Uphoff

  9. andrea2110 Says:

    Hallo Herr Uphoff,

    ich habe diesen Kommentar erst jetzt gesehen, dieser Blog ist nicht mehr aktiv. Aber ich habe Ihnen auf meinem aktuellen Blog bereits geantwortet. Freundliche Grüsse Andrea

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